Mi, 22. August 2018

War on Terror

10.10.2006 08:49

Joint Task Force

"War on Terror", ein Schlagwort, welches dank des ersten Mannes der USA inzwischen so abgenutzt ist, dass es vielen nur mehr ein müdes Achselzucken abverlangt - denn weder die militärische Schlagkraft der Amerikaner, noch die Vermittlungsversuche der UNO konnten die Terrorgefahr reduzieren. Nichts ist da natürlich naheliegender als eine Spezialeinheit zu gründen, welche diesen bösen Buben ordentlich den Marsch bläst, die JSF oder "Joint Task Force". Zumindest stellen es sich die Entwickler des Echtzeitstrategiespiels von Most Wanted Games so vor.

Die Folge davon ist ein im Spiel immer wieder zur Schau gestellter Patriotismus, der für Europäer teilweise schwer erträglich ist. Als Schauplätze müssen Somalia, Bosnien, Kolumbien und sogar der Iran herhalten. Zwar sind diese Szenarien nicht so verbraucht wie der 1. und 2. Weltkrieg, jedoch eine zu Spur zu realistisch gehalten, vor allem angesichts der angespannten Situation aufgrund des iranischen Atomprogramms.

Am Anfang jeder Mission erhält man von General Cleveland sein Missionsziel erklärt. Danach geht es mit einem kleinen Trupp Soldaten an den Ort des Geschehens. Im Laufe der Mission kommt es immer wieder zu dramatischen Wendungen, die eine Änderung der Missionsziele bedingen oder optionale Ziele, deren Erfüllung zusätzliches Geld einbringen, anbieten.

Die Missionen sind sehr abwechslungsreich gestaltet und reichen von der Festnahme feindlicher Generäle über Evakuierungen bis hin zu Aufklärungseinsätzen. Am Ende jeder erfolgreich absolvierten Mission erhält O'Connell, der Kommandeur der Einheit, Geldbeträge gutgeschrieben. Dieses Budget ist im Spiel sehr wichtig, denn Nachschub zu ordern, egal ob Soldat oder Fahrzeug, kostet eine nicht unwesentliche Summe.

Mechanisierte Einheiten können allerdings nur angefordert werden, sobald ein Flughafen eingenommen wurde. Ist dies gelungen, schweben schon bald die ersten Herkules Transporter ein und laden ihre Fracht ab. Wichtig ist auf den Nachschub zu achten, denn nichts ist ärgerlicher, als die Gegenseite mit einem Geschosshagel der Artilleriestellungen einzudecken, um alles für den entscheidenden Angriff vorzubreiten, und die Munition geht plötzlich aus.

Das Bauen einer eigenen Basis entfällt bei "JTF" völlig, wobei dies nicht weiter störend ist, eher im Gegenteil. Die eigenen Einheiten, können individuell mit Ausrüstung bestückt werden, herrenloses Gerät aufnehmen, Gebäude besetzen und Fahrzeuge kapern. Gerade das Ausrüsten jedes einzelnen Soldaten wird aber auf Dauer sehr mühsam. Damit der Überblick nicht verloren geht können Gruppen gebildet werden.

Die Fähigkeiten von O'Connell steigen mit jedem erfolgreich absolvierten Einsatz. Selbiges gilt auch für die daran beteiligten Einheiten. Besonders sollte man jedenfalls auf seinen Kommandeur achten, denn sobald dieser das Zeitliche segnet, heißt es den letzten gespeicherten Spielstand hervorkramen und an dieser Stelle wieder neu zu beginnen.

Nicht zu vernachlässigen sind beim "War on Terror" natürlich die Medien, die über jede Mission berichten und Fehlverhalten, etwa das Niedermetzeln von unschuldigen Zivilisten, der Öffentlichkeit sofort bekannt machen. Als Strafe gibt es allerdings "nur" weniger Geld für die Erfüllung der Einsatzziele.

Grafisch und soundtechnisch, bis auf die weniger gelungenen Musikstücke, präsentiert sich "JTF" tadellos und in sehr guter Qualität. Einzig eine weitere Zoomstufe, die das Geschehen von noch weiter oben zeigt, wäre im Sinne der Übersichtlichkeit noch von Vorteil gewesen.

Bei der KI gibt es die typische Echtzeitstrategiespiele-Krankheit zu bemängeln, die nur wenige Titel nicht betrifft. Die Rede ist von der ungenügenden und nervigen Wegfindung der Einheiten, die immer wieder manuelles Eingreifen erfordert, wenn sie sich ineinander verhakt haben.

"Joint Task Force" bietet auch einen ausgewogenen und vielfältigen Multiplayer-Modus, wobei vor allem die Möglichkeit, die Kampagnen gemeinsam zu bestreiten, viel Spaß macht.

Fazit: "Joint Task Force" ist ein sehr gelungener und vor allem abwechslungsreicher Vertreter des Echtzeitstrategie-Genres, bei dem nur die Unzulänglichkeiten der KI die Spielfreude entscheidend trüben.

Plattform: PC
Publisher: Vivendi Games
Krone.at-Wertung: 82%

von Harald Kaplan

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