19.09.2006 20:01 |

Wirres Schreiben

Papst-Attentäter warnt Bendedikt vor Türkei

Der türkische Attentäter Ali Agca, der 1981 einen Anschlag auf Papst Johannes Paul II. verübte, hat in einem Brief Benedikt XVI. vor der im November geplanten Reise in die Türkei abgeraten. "Papst Ratzinger, Dein Leben ist jetzt gefährdet, komm absolut nicht in die Türkei. Ich kann dich außerdem nicht empfangen, weil ich mich im Gefängnis befinde", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben.

"In den Jahren zwischen 1980 und 2000 habe ich Verbindungen zu den Geheimdiensten verschiedener westlicher Länder und des Vatikans gehabt. In diesen 20 Jahren habe ich unglaubliche Geheimnisse erfahren", meinte der Rechtsextremist, der sich wegen Mord in der Strafanstalt von Kartal Maltepe in Istanbul befindet.

Agca berichtete über Verbindungen zwischen dem ehemaligen Kardinal Josef Ratzinger und dem 1998 ermordeten Kommandanten der Schweizergardisten, Alois Estermann. "Bekannte Geheimdienste, die Ratzinger beschützten, ermordeten Estermann, seine Frau und den Schweizergardisten Cedric Tornay in seiner Wohnung im Vatikan im Mai 1998", schrieb Agca.

Agca hat Vorschläge für Papst-Nachfolge
Nach der Polemik um die Ansprache des Papstes in der Regensburger Universität rief Agca den Heiligen Vater auf, zurückzutreten, um wieder in Frieden in seiner Heimat zu leben. An seiner Stelle sollte zum Papst "ein Kardinal des ehrlichen italienischen Staates, Gesichter des Friedens und der Demokratie wie der neue vatikanische Staatssekretär Tarcisio Bertone und der Mailänder Erzbischof Dionigi Tettamanzi ernannt werden".

Der in der Türkei wegen Mordes an einem Journalisten und wegen zweier Raubüberfälle verurteilte Agca war im vergangenen Jänner erneut verhaftet worden und in dasselbe Gefängnis gebracht worden, aus dem er acht Tage zuvor entlassen worden war. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof des Landes die Gerichtsentscheidung zur Haftentlassung aufgehoben.

Ahmadinejad überraschend auf Seite des Pontifex
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad hat die Klarstellung von Papst Benedikt XVI. zu den umstrittenen Äußerungen über den Islam begrüßt. Benedikt habe seine Aussagen "abgeändert", sagte Ahmadinejad am Montag (Ortszeit) zum Abschluss eines zweitägigen Venezuela-Besuchs in der Hauptstadt Caracas. "Wir respektieren den Papst und all jene, die für Frieden und Gerechtigkeit sind."

Mit seinen Äußerungen schlug Ahmadinejad einen anderen Ton an als das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei. Dieser hatte den Papst am Montag scharf kritisiert und die umstrittene Papst-Rede in Regensburg als das "letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug" bezeichnet.

Muslime über Papst-Aussagen weiter verärgert
Die saudi-arabische Organisation Al-Islam Al-Yom (Islam Heute) sieht in dem Bedauern von Papst Benedikt XVI. eine Beleidigung für die Muslime. Dem stimmt auch der Direktor des Interkulturellen Forschungsinstitutes in Oxford, Scheich Riad Hanif Nadwi, zu. Denn der Papst habe behauptet, dass die Muslime seine Regensburger Rede falsch verstanden hätten. Dies sei aber keineswegs der Fall gewesen.

Angst vor Gewalt in Großbritannien und Rom
Wegen der Auseinandersetzungen um die Papst- Äußerungen zum Islam hat die britische Polizei Schutzvorkehrungen für hunderte Kirchen und Moscheen verstärkt. An die Verantwortlichen für religiöse Stätten im Großraum London und einigen anderen Gegenden des Landes wurden Notrufnummern für den Fall von Angriffen ausgegeben. Rings um den Petersplatz bildeten sich seit dem Wochenende lange Schlangen, weil alle Besucher und ihre Taschen mit Metalldetektoren kontrolliert werden. Gleichzeitig ist der Luftraum über dem Vatikan und der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo seit Sonntag für den Flugverkehr gesperrt.

Verschiedene Terrorgruppen drohen dem Papst
Die angeblich mit El Kaida in Verbindung stehende irakische Terrorgruppe „Ansar al-Sunna“ drohte am Montag mit Angriffen einer „islamischen Armee“ auf Rom. Auch die Al Kaida hat einmal mehr Drohungen gegen den Papst und den Westen im Allgemeinen losgelassen. „Wir sagen dem Diener des Kreuzes: Warte auf die Niederlage“, hieß es in einer am Montag im Internet veröffentlichten Erklärung. „Wir sagen den Ungläubigen und Tyrannen: Wartet, was euch heimsuchen wird. Wir setzen unseren Heiligen Krieg fort“, hieß es weiter. „Wir werden das Kreuz zertrümmern.“

Papst Benedikt im Kreuzfeuer
Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte in der vergangenen Woche in Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. Paläologos mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. Nach einem Sturm der Empörung hatte Joseph Ratzinger am Sonntag bedauert, dass seine Äußerungen missverstanden worden seien. Er nahm aber keine Aussage zurück.