Fr, 14. Dezember 2018

Interview:

07.07.2016 23:30

„Etwas Großartiges geleistet!“

Im Juli 2011 endete der fünf Jahrzehnte währende Ortstafelstreit. Die damaligen Hauptakteure Gerhard Dörfler, Josef Ostermayer und Bernard Sadovnik erinnerten sich in der "Krone" an diese Tage. Heute fragen wir LH Peter Kaiser, wie er das Geschehen erlebt hat und die Situation heute einschätzt.

Was war das, damals im Jahr 2011? Zufall, Planung, Glück, Berechnung?

Es war von allem etwas. Die Achse zwischen Kanzler Faymann und Staatssekretär Ostermayer funktionierte. Gerhard Dörfler machte einen bewundernswerten Schritt weg von seiner sonstigen Einstellung zur Sache. Mein höchster Respekt! Und alle Beteiligten haben ihre Kontakte spielen lassen.

Was waren Ihre Gedanken, als Sie als Zuseher im Parlament miterleben mussten, wie ausgerechnet ein blauer Landeshauptmann den Ortsafelstreit löste? Vielleicht, dass Dörfler jetzt auf Jahrzehnte "pragmatisiert" sei?

Ich dachte, da wird etwas Großartiges geleistet. Der einzige Sieger war Kärnten, eine Last fiel von den Schultern des Landes. Man spürte förmlich das Aufatmen der Menschen im Land.

Doch Ihr Vorgänger Gerhard Dörfler konnte den vermeintlichen Bonus eines Ortstafel-Landeshauptmannes nicht ins Ziel bringen. Er wurde abgewählt, Sie folgten ihm. Warum dies?

Diese Frage stellte ich mir auch schon oft. Die einzige Antwort, die mir möglich erscheint ist, dass die Ortstafelfrage in ihrer Auswirkung auf das Wählerverhalten überbewertet wurde. Den Menschen waren und sind andere Anliegen wichtiger: ein sicherer Job, soziale Gerechtigkeit, funktionierende Gesundheitsversorgung und solche Dinge.

Sie waren damals dafür "zuständig", die Hardliner unter den sozialdemokratischen Bürgermeistern auf Linie zu bringen. War das ein schwieriges Unterfangen, vor allem im Unterland?

Die Aufgabenteilung war klar: Gerhard Dörfler gelang es, die freiheitliche Partei auf die ausverhandelte Lösung einzuschwören - trotz Protesten aus dem Mölltal. Ich hatte mit Bürgermeistern meiner Partei etliche Gespräche. VP-Chef Josef Martinz musste die schwarzen Bürgermeister in den betroffenen Gebieten überzeugen. Alle merkten, dass die breite Mitte der Menschen im Land an einer Lösung interessiert war. Es waren auch die Slowenenfunktionäre Marjan Sturm und Bernard Sadovnik im Boot, ebenso der geläuterte Heimatdienst mit Josef Feldner.

Gab’s Wackelkandidaten?

Naja, es ist bekannt, dass auf der einen Seite der Abwehrkämpferbund mit dem Kompromiss nicht so recht glücklich war. Und auf der anderen Seite zeigte der Rat der Kärntner Slowenen und ihr Chef Valentin Inzko keine große Begeisterung.

Glauben Sie, dass die Einigung, das darauf basierende Verfassungsgesetz und die umgesetzte Lösung das Thema für alle Ewigkeiten aus dem Bewusstsein der Kärntner verschwinden lässt? Ist das alles in Stein gemeißelt?

Diese Formulierung "in Stein gemeißelt" mag ich nicht. Was im Leben ist das schon? Es wird immer Entwicklungen geben, die man nicht vorhersehen kann und dann muss man reagieren.

Abgesehen von den zweisprachigen Ortstafeln gibt es derzeit Kritik von VP und FP an der angeblichen Diskriminierung von einsprachigen, also nur Deutsch sprechenden Lehrern bei der Bewerbung um Direktoren-Jobs an Schulen im Geltungsbereich des zweisprachigen Schulwesens? Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Es heißt in der Regelung "vorrangig" und nicht "ausschließlich". Abgesehen davon: Jede Sprache, die man beherrscht, ist ein Vorteil.

Mit Verlaub, das kommt aufs Gleiche heraus...

Nein, ein Beispiel: Würde es "ausschließlich" heißen, könnte es gar keine Bewerbungen von Lehrern geben, die nur Deutsch sprechen und kein Slowenisch. Dass in zweisprachigen Schulen die Kenntnis von Slowenisch aber ein Vorteil ist, wird niemand bezweifeln. Aber ich mische mich in diese Bestellungen nicht ein.

Ihr persönliches Resümee diesen Juli 2011?

Uns gelang es, das Image Kärntens zu verbessern und uns weltoffen und tolerant zu präsentieren.

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