Di, 17. Juli 2018

Ausgrenzung in NÖ

02.06.2016 20:49

Keine Ferienbetreu­ung für Kinder von Asylwerbern

Die kleine Gemeinde Waidhofen an der Thaya im niederösterreichischen Waldviertel hat offenbar kein Interesse an einer funktionierenden Integration im Ort. Denn wie meinbezirk.at am Donnerstag berichtete, sind Kinder von Asylwerbern für die Ferienbetreuung im Sommer dezidiert unerwünscht. "Die Plätze müssen für die Kinder der eigenen Bevölkerung reserviert bleiben. Außerdem rufen Gruppen von Asylwerbern insbesondere bei Frauen und Jugendlichen ein entsprechendes Unwohlsein hervor", begründete Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusel (FPÖ) den Entschluss. Und sogar der ÖVP-Bürgermeister stellt sich indirekt auf seine Seite.

Insgesamt gibt es 20 Kinder von Asylwebern in der Gemeinde, die sich in den Sommerferien nun anderwärtig beschäftigen müssen. Bürgermeister Robert Altschach rechtfertigte sich dafür wie folgt: "Das Budget für die Ferienbetreuung wurde bereits beschlossen, als die Flüchtlingskinder noch nicht hier waren. Jetzt ist das Budget ausgeschöpft. Außerdem sind die Räumlichkeiten nicht groß genug."

"Kinder von berufstätigen Eltern sind zu bevorzugen"
Außerdem gebe es ihm zufolge eine Richtlinie des Landes, wonach Kinder von berufstätigen Eltern zu bevorzugen wären und man für die professionelle Integrationsarbeit anderes Personal bräuchte. Derzeit würden die Kinder "nur" von angehenden Lehrerinnen und Studentinnen betreut.

FPÖ-Vize: "Integration von Asylwerbern ist idiotisch"
Alles doch recht fadenscheinige Ausreden, eher bleibt der Eindruck hängen, als ob es hier um gezielte Ausgrenzung von Flüchtlingskindern geht. Im Gemeinderat hält die ÖVP in Waidhofen an der Thaya die relative Mehrheit, die FPÖ ist die zweitstärkste Partei. Beide scheinen sich in Fragen zur Asylpolitik sehr nahe zu stehen.

Vizebürgermeister Waldhäusel ist in der Vergangenheit laut "Kurier" schon mehrfach mit umstrittenen Aussagen aufgefallen. So bezeichnete er die Integration von Asylwerbern als "idiotisch", wenn man wisse, dass sie nur für ein paar Wochen in Österreich bleiben. Er forderte auch, dass Kinder von Asylwerbern nicht in Kindergarten und Schule geschickt werden sollen.

Volkshilfe und Grüne über Entschluss der Gemeinde empört
Empört über das Vorgehen in der Ferienbetreuung zeigte sich Gerlinde Oberbauer von der Volkshilfe: "Wir wollten einfach nur eine zweite Gruppe für die Ferienbetreuung schaffen und diese durchmischen, damit die Flüchtlingskinder auch in den Ferien Deutsch sprechen und aus ihren tristen Wohnverhältnissen herauskommen." Man hätte keinem österreichischen Kind einen Platz weggenommen. "Wir hätten uns auf jeden Fall an den Kosten beteiligt", sagte sie gegenüber meinbezirk.at.

Heftige Kritik kommt auch von Grünen-Stadtrat Martin Litschauer: "Das sind doch essenzielle Dinge für eine gelungene Integration, wenn sich die Kinder in den Ferien in einem deutschsprachigen Umfeld aufhalten. Das Vorgehen der Gemeinde ist völlig kontraproduktiv."

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