05.02.2016 11:07 |

Nach Doskozil-Idee

Auch Berlin erwägt nun Abschiebung mit Militärjets

Im Jänner hatte Österreichs Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil mit dem Vorschlag, Bundesheer-Flugzeuge vom Typ Hercules zur Abschiebung von abgelehnten Asylwerbern einzusetzen, aufhorchen lassen. Jetzt erwägt auch Deutschland die Einsetzung von Bundeswehr-Maschinen für den Rücktransport - laut "Bild" soll die Transall dabei erste Wahl sein, auch wenn das aus mehreren Gründen unwahrscheinlich erscheint.

Heeresmaschinen für den Rücktransport von Asylwerbern - ein Szenario, das in der Politik immer wieder auch angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise ins Spiel gebracht wird. Nachdem Doskozil den Einsatz der Hercules nicht ausgeschlossen hatte, greift man laut "Bild" auch in Berlin diesen Vorschlag wieder auf.

So soll im Umfeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits laut darüber nachgedacht werden, Transall-Maschinen der Bundeswehr für den Rücktransport einzusetzen und so bis zu 1000 Migranten pro Tag zurückzuschieben, sollten die Flüchtlingszahlen nicht in den nächsten Wochen merklich zurückgehen. Merkel selbst hat sich zu diesem Thema bislang nicht öffentlich geäußert.

Indirekte Absage von Verteidigungsministerin
Doch die deutsche Verteidigungsministerin, Merkels CDU-Parteifreundin Ursula von der Leyen, hatte diesem Plan bereits im Oktober eine indirekte Absage erteilt: Die Nutzung der Transall sei zwar nicht ausgeschlossen, so von der Leyen gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen", "doch für den Fall der Fälle kommt da eher ein Truppentransporter infrage, in dem einige Hundert Personen Platz haben".

Außerdem seien die alten, im Innenraum dröhnend lauten Transall mit ihren 60 Sitzplätzen und der begrenzten Reichweite eines der ungeeignetsten Transportmittel für die Rückführung von Flüchtlingen, so die Ministerin. Des Weiteren dürften die Übungsaktivitäten der Bundeswehr nicht beeinträchtigt werden.

Video: Hier landet eine deutsche Transall in Speyer

Transall: Gerine Reichweite und wenig Sitzplätze
Damit erscheint diese Abschiebungsvariante auch schon wieder sehr unwahrscheinlich. Die Bundeswehr verfügt mittlerweile nur noch über 56 Transall-Maschinen. Selbst wenn man die komplette Kapazität von 90 Sitzplätzen ausnützen würde, müssten elf Flüge pro Tag absolviert werden, um 1000 Asylwerber abzuschieben. Bei einer Reichweite von etwa 1200 Kilometern und bei voller Beladung müsste die Transall bei einer Abschiebung in die afghanische Hauptstadt Kabul (Luftlinie von Berlin aus: 4776 km) viermal zwischenlanden.

Ähnlich verhält es sich bei den österreichischen Hercules-Maschinen. Sie verfügen über Platz für 92 Passagiere, allerdings können sie je nach Beladung zwischen 3000 und 6000 Kilometer zurücklegen. Im Bundesheer stehen jedoch derzeit lediglich drei Maschinen des Typs Lockheed C-130 (so die offizielle Bezeichnung) im Einsatz. Sie dienen hauptsächlich zum Transport und zur Versorgung von im Ausland stationierten Soldaten.

Video: Deutschland schränkt Familiennachzug für Asylwerber ein

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