Mi, 26. September 2018

Zwei Verdächtige tot

03.12.2015 10:09

Blutbad mit 14 Toten erschüttert die USA

Bei einer Schießerei in einer Sozialeinrichtung im US-Bundesstaat Kalifornien hat es am Mittwoch mindestens 14 Todesopfer und 17 Verletzte gegeben. Nach wie vor ist nicht ganz klar, ob es zwei oder sogar drei Angreifer gegeben hat. Zwei Verdächtige - ein muslimisches Paar - sind jedenfalls tot, sie wurden von der Polizei in ihrem Fluchtauto erschossen. Der Angriff in einer Vorstadt von Los Angeles hatte sich während einer Weihnachtsfeier ereignet.

Ein dritter Verdächtiger sei gefasst worden, es sei aber nicht klar, ob er an der Tat beteiligt war, sagte der Polizeichef von San Bernardino, Jarrod Burguan, in der Nacht auf Donnerstag. Möglicherweise sei es ein gezielter Angriff gewesen, ein Terroranschlag sei daher nicht auszuschließen.

IS: "Amerika brennt"
Auf Twitter gibt es bereits zahlreiche Postings, die von Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat verfasst worden sein dürften. In diesen wird das Blutbad gefeiert. Ein User schreibt sogar: "Drei Löwen haben uns stolz gemacht. Sie sind noch am Leben." Die Einträge werden unter dem Hashtag #AmericaIsBurning (Amerika brennt) gefeiert.

Laut der Zeitung "Los Angeles Times" soll es während des Fests in der Sozialeinrichtung zu einem Streit gekommen sein. Ein Teilnehmer habe unmittelbar danach die Feier verlassen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bisher nicht. Es werde geprüft, ob sich ein frustrierter Mitarbeiter mit der Schießerei rächen habe wollen, sagte Polizeichef Burguan.

Polizei: "Als seien sie auf einer Mission gewesen"
Die Schießerei hatte gegen 11 Uhr (Ortszeit) in einem Gebäude der Sozialeinrichtung in San Bernardino, die unter anderem Jugendliche mit Entwicklungsstörungen betreut, begonnen. Die Verdächtigen seien schwer bewaffnet gewesen und hätten Militärkleidung und Schutzwesten getragen, berichteten Augenzeugen. "Die Angreifer kamen vorbereitet, als wären sie auf einer Mission gewesen", sagte Burguan. Die Täter hätten Langwaffen bei sich gehabt, keine Pistolen, so Burguan. Geiseln seien nicht genommen worden.

Toter Verdächtiger war "strenggläubiger Muslim"
Wenige Stunden nach der Schießerei und einer rasanten Verfolgungsjagd erschoss die Polizei zwei Verdächtige - eine Frau und einen Mann - in ihrem SUV. TV-Sender zeigten Luftaufnahmen des Geländewagens, Scheiben und Reifen waren zerschossen. Spezialeinheiten hatten sich dem Fluchtauto vorsichtig mit gepanzerten Wagen genähert.

Der tote Mann wurde als US-Staatsbürger namens Syed Farook (28) identifiziert. Er soll früher in der Betreuungseinrichtung angestellt gewesen sein. Die tote Frau, Tashfeen Malik (27), soll seine Gattin gewesen sein. Laut Angaben seines Vaters war Farook ein strenggläubiger Muslim. "Er ging zur Arbeit und kam nach Hause, um zu beten", so der Mann. Das Paar hatte laut der Nachrichtenagentur AP vor Kurzem in Saudi-Arabien geheiratet und soll ein gemeinsames Baby gehabt haben.

Schwager: "Weiß nicht, warum er das tat"
Maliks Bruder (Bild unten) zeigte sich bestürzt über die Geschehnisse des Tages. In einer Pressekonferenz erklärte er: "Ich weiss nicht, warum er das getan hat. Erst vorige Woche habe ich mit ihm gesprochen." Khan sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus. Eine Nachbarin hat Farook als "ruhigen und höflichen Menschen" in Erinnerung. "Seit etwa zwei Jahren wurde er immer religiöser. "Er ließ sich einen Bart wachsen und begann, religiöse Kleidung zu tragen", sagte Maria Gutierrez gegenüber der "New York Daily News". Dass er zu so einer Tat fähig sei, hätte sie sich nie gedacht, so die schockierte Frau.

Für die betroffene private Organisation "Inland Regional Center" arbeiten der eigenen Website zufolge rund 600 Mitarbeiter. Die Einrichtung bietet Programme für 30.000 Menschen an - von Neugeborenen bis zu Senioren. Die Präsidentin des Sozialzentrums sagte, der Vorfall habe sich im Tagungszentrum der Einrichtung ereignet. Hier habe sich am Mittwoch eine Gruppe eingemietet, um eine Veranstaltung abzuhalten. In dem Teil des Gebäudes seien zudem mindestens 25 Angestellte untergebracht. Der Gebäudekomplex ist gesichert, wer hineingehen möchte, braucht normalerweise eine Magnetkarte als Hausausweis. Seit einem Jahr gibt es für die Angestellten auch Training im Umgang mit Amokschützen, wie eine Mitarbeiterin CNN erzählte.

Menschen versteckten sich in Büros
Die "Los Angeles Times" sprach mit einem Mann, dessen Tochter sich zum Zeitpunkt der Schießerei in dem Gebäude des Sozialzentrums aufhielt. Dort habe gerade eine Weihnachtsfeier stattgefunden. Drei Schützen seien hereingekommen und hätten das Feuer eröffnet, berichtete der sichtlich schockierte Vater. Seine Tochter kam gerade von der Toilette zurück, als die ersten Schüsse fielen. Weinend sagte er: "Ich habe mit ihr telefoniert, sie hat sich unter ihrem Schreibtisch versteckt."

Ein anderer Mann berichtete dem TV-Sender CBS am Telefon, seine Frau habe sich retten können. "Es geht ihr gut, Gott sei dank. Unglaublich das alles, absolut gespenstisch." Eine Frau berichtete am ganzen Körper zitternd, die Schüsse seien auch außerhalb des Gebäudes gefallen. Brandon Hunt, Mitarbeiter des Zentrums, sagte: "Die Kollegen haben sich in Büros und Schränken versteckt." Das Geschehen spielte sich nach seiner Darstellung hauptsächlich in der Aula des Gebäudes ab.

Über dem Tatort kreisten Hubschrauber, die Polizei war mit einem Großaufgebot zur Stelle. Auch gepanzerte Fahrzeuge wurden aufgefahren. TV-Sender zeigten Bilder, auf denen Dutzende Menschen mit erhobenen Händen von Beamten in Sicherheit gebracht werden. Außerdem versorgten Hilfskräfte Verletzte.

In der nahen Ortschaft Redlands untersuchten Polizisten mit Spezialgerät ein Wohnhaus, in dem einer der Täter gewohnt haben soll. Dort wurde Sprengstoff vermutet. Ein Roboter wurde in das Haus geschickt, um nach möglichem explosivem Material zu suchen.

Obama fordert schärfere Waffengesetze
Präsident Barack Obama sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, dass die Einzelheiten noch nicht geklärt seien. "Die eine Sache, die wir aber wissen, ist, dass wir jetzt ein Muster von Massenschießereien in diesem Land haben, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt", so der Präsident.

"Wir brauchen strengere Waffengesetze, stärkere Hintergrundüberprüfungen, das sagt der gesunde Menschenverstand", forderte Obama. Es könne nicht sein, dass jeder in einen Laden gehen und eine Schusswaffe kaufen könne. "Das ist ein Gesetz, das geändert werden muss." Nirgendwo auf der Welt komme es so häufig zu Gewalttaten mit Schusswaffen wie in den USA. "So etwas passiert in anderen Ländern nicht in derselben Häufigkeit", sagte der Präsident.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton schrieb auf Twitter: "Ich weigere mich, das als Normalität zu akzeptieren. Wir müssen handeln, um die Waffengewalt jetzt zu stoppen."

Heuer bereits 351 Massenschießereien in den USA
In den Vereinigten Staaten kommt es immer wieder zu tödlichen Schießereien. Einer Beobachtungsstelle zufolge war es bereits die 351. Massenschießerei in diesem Jahr, bei der mindestens vier Menschen angeschossen wurden. Erst in der Vorwoche hatte ein Mann in einer Abtreibungsklinik im Bundesstaat Colorado das Feuer eröffnet und drei Menschen getötet. Kritiker machen dafür vor allem die laxen Waffengesetze verantwortlich.

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