Mehrere Totgeburten

Kühe wegen Hundekot erkrankt: „Schaden ist enorm“

Steiermark
21.08.2026 14:48

Kleine Hinterlassenschaft, großer Schaden: Auf einem obersteirischem Milchviehhof wurde die halbe Rinderherde von heimtückischen Parasiten befallen, die durch Hundekot ins Futter kamen. Bauern appellieren eindringlich an Hundebesitzer, Exkremente immer ordnungsgemäß aufzusammeln und zu entsorgen.

Heidi Ofner ist seit 36 Jahren mit Herzblut Rinderzüchterin im obersteirischen Kraubath an der Mur. Was sich heuer auf ihrem kleinen Milchviehbetrieb abspielt, hat die engagierte Bäuerin aber noch nie erlebt. „Angefangen hat es am 1. Juli, eine Kuh hat zu früh gekalbt und verworfen“, schildert Ofner. Drei Tage später wiederholte sich das Unheil bei einer weiteren Kuh. Insgesamt sollte es zu vier Totgeburten kommen. 

„So einen Fall noch nie gesehen“
Zunächst wurden die Föten untersucht, dann die ganze Rinderherde. Das schockierende Ergebnis: Neosporose. Eine unheilbare Infektionskrankheit, die durch von Hunden stammende Parasiten auf Rinder übertragen wird. Neben den Kälbern wurden zehn von 14 Milchkühen infiziert – von insgesamt gut 30 Rindern am Hof. „So einen drastischen Fall habe ich in meiner bisherigen Laufbahn noch nicht gesehen“, sagt die betreuende Tierärztin Barbara Wolfgerl und erklärt weiter: „Das ist auch eine wirtschaftliche Katastrophe, der Betrieb muss alle infizierten Tiere ausscheiden.“

Mit Hinweisschildern wie diesen will man Bewusstsein schaffen.
Mit Hinweisschildern wie diesen will man Bewusstsein schaffen.(Bild: Jürgen Fuchs)

Abgesehen von der emotionalen Belastung dürfte Heidi Ofner durch den Parasitenbefall ersten Schätzungen zufolge ein Schaden von 35.000 bis 40.000 Euro entstehen – für einen vergleichsweise kleinen Betrieb in einer ohnehin nicht leichten Branche ein herber Schlag. „Eine große Tragik, die sich aber leicht hätte vermeiden lassen“, betont Richard Judmaier, Obmann der Bezirks-Landwirtschaftskammer Leoben.

Fakten

Neosporose ist eine Infektionskrankheit bei Haus- und Wildtieren. Hauptwirte des Erregers Neospora sind  Hunde. Sie infizieren sich vor allem durch rohes Fleisch und scheiden die Parasiten mit dem Kot aus. Wenn dieser in Wiesen liegen bleibt, können sich Rinder – oder auch Pferde, Schafe und Ziegen – damit infizieren. Die Krankheit kann nicht auf Menschen übertragen werden. Auch die Milch einer infizierten Kuh wäre für Menschen unbedenklich. 

Kot in der Wiese – trotz Sackerlspender
Denn die Herkunft der Parasiten ist klar: Die Weide- und Futterwiesenflächen von Heidi Ofner liegen direkt an Gemeindestraßen, wo täglich viele Menschen mit ihren Hunden spazieren gehen. Obwohl dort auch Kotsackerl-Spender und Mistkübel aufgestellt sind, dürfte ein Hundebesitzer die Hinterlassenschaft seines Vierbeiners nicht aufgesammelt haben. Dann muss beim Mähen mit Parasiten befallener Hundekot ins Futter der Rinder gelangt sein.

Solche Hundekotbeutel sind entlang vieler Straßen rund um Wiesen und Weiden frei zu entnehmen.
Solche Hundekotbeutel sind entlang vieler Straßen rund um Wiesen und Weiden frei zu entnehmen.(Bild: Jürgen Fuchs)

Das Problem ist kein Neues. Seit Jahren machen Bauern und die Standesvertretung auf die leicht vermeidbare Gefahr aufmerksam, entsprechende Hinweistafeln kennt inzwischen wohl so gut wie jeder Spaziergänger oder Wanderer. „Ich kann nur an alle Hundebesitzer appellieren, ihre Tiere an die Leine zu nehmen und die Kotsackerl, die wir als Gemeinde zur Verfügung stellen, zu verwenden“, sagt der Kraubather Bürgermeister Erich Ofner. Richard Judmaier stößt ins selbe Horn: „Wir appellieren an ein respektvolles Miteinander. Wenn es Hinterlassenschaften auf landwirtschaftlichen Flächen gibt, sind diese wegzuräumen.“

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