Di, 21. August 2018

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05.11.2014 12:31

"Plötzlich Gigolo": Woody Allen als Zuhälter

Woody Allen in Spiellaune! Im Film "Plötzlich Gigolo" (Kinostart: 7. November) beweist er sein komödiantisches Talent wieder einmal vor (!) der Kamera. Nicht verstummende Missbrauchsvorwürfe kratzen in diesem Jahr aber erneut am Image des Stadtneurotikers.

Im Dezember des kommenden Jahres wird er 80. Und Geburtstage mag Woody Allen überhaupt nicht, O-Ton: "Sie haben die Penetranz, jedes Jahr um dieselbe Zeit einfach wiederzukommen." Den Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk erhielt er bereits heuer. Ein Preis mehr neben güldenen Oscar-Statuetten, Golden Globes, und unzähligen anderen Huldigungen, die ihm auf Filmfestivals zuteilwurden.

Ein erstaunlich produktiver Mann, der sein Potential auch in seinem Alterswerk auszuschöpfen weiß, ob regietechnisch oder als herrlich verschrobener Darsteller. Seinem Look blieb er stets treu: Hornbrille, Bundfaltenhose, vorzugsweise Cord, das Gesicht mehlfarben, der Blick scheu bis ernst. Nur wenn er Klarinette spielt mit seiner New Orleans Old Time Jazz Band und das Mundstück nach virtuosen Klängen absetzt, lächelt er ganz fein. Woody Allen: "Ich glaube, ich könnte eher ohne Filme leben als ohne Musik."

Ein großer Kreativer, der sich seine Inspiration immer noch gern in New York holt, aber auch gern in good old Europe dreht: in London, Barcelona, Paris, Rom, dem Süden Frankreichs, Venedig - an Orten, die Romantik verströmen, nach kuriosen filmischen Begegnungen förmlich lechzen...

Doch Woody Allen ist nicht mehr die unangefochtene, ja unantastbare Komödien-Ikone, die er einst war, als seine Neurosen ein ganzes Genre begründeten - die Großstadtsatire. Und es liegt nicht an seinen Filmen, die immer noch blitzgescheit, unverdrossen sentimental und herrlich pointiert sind.

Missbrauchsskandal lässt Woody Allen nicht los
Es liegt an Woody Allen selbst - und an den medial investigativen Zeiten: Seit dem Skandal 1992, als seine damalige Lebensgefährtin Mia Farrow ihn des sexuellen Missbrauchs der gemeinsamen Adoptivtochter Dylan bezichtigte, liegt ein Schatten auf seiner Vita. Die peniblen strafrechtlichen Erhebungen der in diesem Fall zuständigen Conneticut State Police führten ins Leere.

Im Februar dieses Jahres wiederholte die knapp 30-jährige Tochter Dylan die verstörenden Anschuldigungen in einem Brief auf der Website der "New York Times" - wir berichteten. Zeilen, die auf monströse Art das Kopfkino bedienen, einen ratlos machen.

Die Ironie an der belastenden Situation: Früher waren Allens Filme das Interessanteste an ihm. Jetzt ist er das Interessanteste an den Filmen. Mit "Fading Gigolo - Plötzlich Gigolo" kehrt er nun in die österreichischen Kinos zurück - als kauziger Darsteller in einem Film, der nicht seiner ist, sondern unter der Regie seines Freundes John Turturro entstand. Allen gibt darin einen sich gerade so über Wasser haltenden Buchhändler, der nach neuen Einnahmequellen sucht.

Woody als Zuhälter überfordert
Da ergibt es sich, dass seine verflixt attraktive Hautärztin - Sharon Stone - ihn fragt, ob er ihr nicht einen Lover für einen flotten Dreier besorgen könnte. Und so fragt der in Sexgeschäften wenig bewanderte Mann seinen Kumpel Fioravante, einen Floristen - gespielt von Turturro himself -, ob er nicht Lust auf einen Nebenverdienst als "Mann für gewisse Stunden" hätte. Bald steigen der Bücherwurm und sein Gigolo professionell in den Liebesservice ein. Doch Rotlichtamateur Woody ist als Zuhälter sichtlich überfordert!

Ein höchst amüsanter Mix aus Sexkomödie und Buddymovie, eingebettet in Bilder des herbstlichen Big Apple. Die dauergiftelnde "New York Times" warf dem kreativen Gespann bereits eine "fragwürdige Romantisierung der Prostitution" vor. Hey, Guys, habt ihr "Pretty Woman" total verschlafen?

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