Nach monatelangen Tauziehen die große Wende: Die Volksschule Retznei in der Südsteiermark wird doch nicht geschlossen! Die Bildungsdirektion hat einen entsprechenden Antrag der Gemeinde zurückgewiesen. Nur Stunden davor gab es eine turbulente Gemeinderatssitzung.
Große Aufregung herrscht seit Monaten um eine kleine Schule in der südsteirischen Gemeinde Ehrenhausen: Wie berichtet, soll im Ortsteil Retznei die preisgekrönte Volksschule mit reformpädagogischem Musik-Schwerpunkt geschlossen und in die Schule in Ehrenhausen integriert werden – und das ausgerechnet im 100-Jahr-Jubiläumsjahr der Retzneier Schule. Es geht vor allem um Kosten, die angesichts klammer Gemeindefinanzen immer schwerer zu stemmen sind. In der Gemeinde gibt es aktuell drei Volksschulstandorte, jener in Retznei ist sanierungsbedürftig.
Die Eltern der 50 Schüler, aber auch Prominente wie Paul Pizzera kämpfen vehement für den Erhalt. Sie können nun aufatmen: Wie das Büro von Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) am Dienstagvormittag mitteilte, bleibt die Schule geöffnet! Der im Mai eingereichte Antrag der Gemeinde auf Zusammenlegung der beiden Schulen wurde von der Bildungsdirektion zurückgewiesen.
Die Bildungsdirektion hat die Gemeinde im Verfahrensgang bestmöglich unterstützt. Insbesondere in der Kürze der Zeit war dies kein einfaches Unterfangen.

Landesrat Stefan Hermann
Bild: Christian Jauschowetz
Nicht alle Unterlagen nachgereicht
Hintergrund: Die Gemeinde Ehrenhausen musste bis zum Freitag, 3. Juli, „wesentliche Unterlagen für die Bearbeitung des Antrags nachreichen und tragfähige Konzepte für die Zusammenlegung vorlegen“, wie es in der Aussendung heißt. Großteils sei die Gemeinde dem nachgekommen, nicht aber vollumfänglich. Konkret betroffen sind der Nachweis der Finanzierung des Projekts, die endgültige brandschutztechnische Stellungnahme sowie der Nachweis der Anhörung des gesetzlich verpflichtend einzusetzenden Schulausschlusses. „Für uns war von Anfang an klar, dass eine Zusammenführung der Schulstandorte nur unter den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen sowie unter Beibehaltung des musikalischen Schwerpunkts und des pädagogischen Konzepts erfolgen kann“, sagt Landesrat Hermann.
Wende auch im Gemeinderat
Das Verfahren im Land wurde schon vor der turbulenten Sondersitzung des Ehrenhausener Gemeinderats am Montagabend abgeschlossen. Dort gab es ebenfalls eine Wende: Mit den Stimmen der Bürgerliste, SPÖ und FPÖ wurde der Schließungsbeschluss zur Volksschule Retznei aufgehoben und die Weiterführung des Standorts beschlossen. Zudem wurde die Schule für Kinder außerhalb des Schulsprengels („Gastschüler“) geöffnet.
Alles in allem ist es eine bittere politische Niederlage für die Bürgermeister-Partei ÖVP. Sie hat die Schulfusion forciert und erst in der Vorwoche einen gegensätzlichen Beschluss im Gemeinderat durch Auszug aus dem Saal verhindert. Positiv zu den Entwicklungen äußern sich die Landtags-Oppositionspolitiker Chiara Glawogger (SPÖ), Veronika Nitsche (Grüne) und Niko Swatek – der NEOS-Klubobmann hat zu diesem Thema auch eine dringliche Anfrage in der heutigen Landtagssitzung eingebracht.
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