So, 24. Juni 2018

Gazastreifen-Drama

30.07.2014 08:32

Israel bombardiert erneut UNO-Schule: 20 Tote

Auch zu Beginn der vierten Kampfwoche im neuen Nahost-Konflikt ist kein Ende des Blutvergießens in Sicht. Die israelische Luftwaffe setzte am frühen Mittwochmorgen ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort. Dabei wurden beim Beschuss einer Schule der UNO-Hilfsorganisation UNRWA im Flüchtlingslager Jabalia im Norden des Küstenstreifens nach palästinensischen Angaben 20 Menschen getötet und über 50 weitere teils schwer verletzt. Militante Palästinenser wiederum feuerten weiterhin Raketen auf israelische Orte.

Der Militärchef der Hamas machte eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif am Mittwoch. Es war die erste öffentliche Äußerung des Anführers des bewaffneten Flügels der radikalislamischen Organisation, den Kassam-Brigaden, seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen.

Die Hamas dementierte indes eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen im Gazastreifen einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten. Das sei erst denkbar, wenn sich auch Israel dazu verpflichte und es internationale Garantien gebe, sagte ein Hamas-Sprecher. Die israelische Regierung wiederum teilte mit, die Hamas sei für alle Toten auf beiden Seiten verantwortlich, da sie dafür sorge, dass der Konflikt weitergehe. Israel begründet seine Offensive mit dem anhaltenden Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser.

Bereits mehr als 1.200 Palästinenser getötet
Seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli starben nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza-Stadt mehr als 1.240 Menschen, über 7.000 weitere Personen wurden demnach verletzt. Laut dem israelischen Militär kamen auf israelischer Seite 53 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben. Nach Angaben eines UNRWA-Sprechers wurden auch fünf UN-Mitarbeiter, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer, getötet.

Nach den schlimmsten Bombardierungen seit Beginn der israelischen Militäroffensive machen sich zunehmend Panik und Verzweiflung in der Enklave breit. Immer mehr verängstigte Menschen versuchen, dem Inferno zu entrinnen. Sie flohen in eine von 85 UN-Einrichtungen, die als Notunterkünfte dienen. Die Zahl der Schutzsuchenden gab der UNRWA-Sprecher am Mittwochmorgen mit mehr als 200.000 an.

Aber auch in den UN-Gebäuden ist es nicht immer sicher. So fanden UN-Mitarbeiter in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Die Weltorganisation beschuldigte daraufhin militante Palästinenser, "die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt" zu haben. Die israelische Armee hatte wiederholt auch Schulen oder Moscheen nach einer kurzen Vorwarnung angegriffen, wenn sie dort Waffenlager vermutete. Zudem wurde auch noch das einzige Kraftwerk im Gazastreifen von Granaten in Brand gesetzt. In weiten Teilen des Gebietes fiel der ohnehin nur stundenweise zur Verfügung stehende Strom ganz aus. Palästinenser und Israelis bezichtigten sich gegenseitig, die Geschosse abgefeuert zu haben.

Scharfe Kritik an Beschuss von Krankenhäusern
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte vor allem den Beschuss von Krankenhäusern im Gazastreifen heftig. Für Kranke und Verwundete sei es demnach aufgrund des intensiven Beschusses ohnehin schwierig, die wenigen funktionsfähigen Krankenhäuser zu erreichen. Zudem sei das Personal in den Spitälern völlig überfordert. Nicht nur Medikamente, sondern auch Trinkwasser und Nahrungsmittel würden in dem von 1,8 Millionen Menschen dicht besiedelten Gebiet knapp.

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