Hosen hinaufnähen, Löcher stopfen und Zipverschluss einnähen – oder auch schon mal ein Jediritterkostüm für einen Bräutigam oder ein Bühnenkleid für eine berühmte Opernsängerin nähen – das alles passiert in Barbara Krenns kleiner Änderungsschneiderei in Gloggnitz.
30 Jahre lang war sie in der Werbebranche tätig. Doch irgendwann reichte es Barbara Krenn und sie widmete sich wieder ihrem erlernten Brotberuf, nämlich dem der Schneiderin. Und sie hat es nicht bereut. Seit drei Jahren betreibt sie ihren, kleinen, aber feinen Laden „Mit Liebe gemacht“ in Gloggnitz, Bezirk Neunkirchen.
T-Shirt oft billiger als ein Laib Brot
Erlernt hat sie ihren Beruf auf der Modeschule in Wiener Neustadt. „Damals lernte man noch, wie man richtig näht“, so Krenn mit einem Augenzwinkern in Hinblick darauf, dass heute Mode oft nur mehr ein Wegwerfprodukt ist. „Gewand hatte damals noch einen anderen Stellenwert“. Es wurde wertgeschätzt, heute ist es ein Wegwerfprodukt. „Heute ist ein T-Shirt oft billiger als ein Kilo Brot“.
Sie erinnert sich auch noch gut an ihre Matura im Jahr 1987. „Ich musste einen Deuxpiece – einen Zweiteiler für die Reise entwerfen“, erzählt sie. „Aus Baumwolle, mit Falten oder mit Rüschen, die sich im Ärmel und im Rock fortsetzten“, muss sie heute noch darüber schmunzeln. „Ich wusste nur eines – wenn ich Knopflöcher nähen muss, dann falle ich durch“.
Trotz Liebe zum Job ist er oft schwieriger als früher
Eine Herausforderung ist ihr Job trotzdem. Stoffe und gute Nähnadeln und Nähseide zu bekommen, wird immer schwieriger. „Früher wurde alles noch in Österreich erzeugt“, klagt sie. „Nähnadeln bestehen heute oft aus sehr schleißigem Material, sodass der Faden leicht abreißt“. Und auch bei den Schnittmustern hat sich viel verändert. „Früher konnte man jedes Stück leicht ändern, heute geht das gar nicht mehr“. Heute sind die Leute oft erstaunt, wenn ich für das Kürzen einer Hose 20 Euro verlangt. Sie sagen dann:“ Das ist ja teurer als die ganze Hose“.
Mutter Christa unterstützt sie bei ihrer Arbeit. „Ich lerne jeden Tag von ihr“, so die Tochter. Und das mag man ihr glauben, denn Christa bringt viel Erfahrung mit. „Ich hänge seit meinem 14 Lebensjahr an der Nadel“, scherzt die rüstige 78-Jährige, die ebenfalls ausgebildete Schneidermeisterin ist.
Jediritter-Kostüm, Dirndl und Opernkleid
Neben den üblichen Änderungsschneidereien steht Barbara jedoch auch oft vor spannenden Herausforderungen. „Einmal musste ich ein Jediritterkostüm für einen Bräutigam nähen“, erinnert sie sich. Dann wiederum kam der Auftrag, ein wunderschönes Kleid für die Sopranistin Ekaterina Doss-Hayetskaya zu nähen.
Zu ihrer großen Leidenschaft gehört das Dirndl nähen und ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrem neuen Auftrag erzählt. „Ich darf für die Marketenderinnen der Stadtkapelle Gloggnitz neue kreieren“. Die Muster dazu hat sie bereits entworfen, demnächst geht’s an die Arbeit.
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