Eine Studie der Uni Graz belegt: Werden Ewigkeitschemikalien (PFAS) verboten, sinkt die Belastung in der Natur nachweislich. Allerdings weicht die Industrie auf andere, ebenso gefährliche Verbindungen aus.
Pfannen, Kleidung, Kosmetika, Fotopapier: In diesen und noch vielen weiteren Gegenständen unseres Alltags befinden sich PFAS. Diese Fluorid-Verbindungen haben negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und stehen in Zusammenhang mit Krebs, Fruchtbarkeitsproblemen und Leberschäden. Und es dauert lange, bis sie in der Natur zerfallen. Daher haben sie den Spitznamen „Ewigkeitschemikalien“.
Einige dieser Wirkstoffe sind in der EU bereits verboten. Eine Studie der Universität Graz gemeinsam mit dem schottischen James-Hutton-Institute, der Biobank am Frauenhofer-Institut und dem deutschen Umweltbundesamt zeigt nun: Solche Einschränkungen wirken.
Gesamtbelastung sank um 87 Prozent
Das Team untersuchte Gewebeproben, die zwischen 1998 und 2022 aus der Leber von einjährigem Rotwild aus dem Naturpark Bayerischer Wald übernommen wurden. 30 unterschiedliche PFAS-Verbindungen wurden untersucht. „Die Gesamtbelastung durch diese PFAS sank um mehr als 87 Prozent – das entspricht einem Rückgang von 64 auf gerade einmal acht Nanogramm pro Gramm Lebergewebe“, erklärt Viktoria Müller, Wissenschafterin am Institut für Chemie der Uni Graz und Hauptautorin der Studie.
Laut Müller reicht es aber nicht, einzelne Stoffe zu verbieten. Denn die Industrie weicht einfach auf andere PFAS aus. In den Proben stieg beispielsweise die Konzentration der Verbindungen PFNA und PFHxS im Beobachtungszeitraum stark an. „Wenn einige Stoffe eingeschränkt werden, werden sie durch andere ersetzt, was dann erst recht zu einer anhaltenden Kontamination führt“, sagt Müller.
„Nur die Spitze des Eisbergs“
Die Studie ist auch ein Hinweis auf eine weitere Herausforderung: Wenn diese Chemikalien ewig halten, wo sind sie dann hin? „Diese Stoffe zerfallen in andere PFAS, die zurzeit nicht gemessen werden können“, erklärt Jörg Feldmann, Professor für analytische Chemie an der Universität Graz. „Was wir mit unseren Instrumenten messen können, ist nur die Spitze des Eisbergs.“
Dazu kommt, dass die messbaren PFAS-Gruppen sehr mobil sind. Die Chemikalien können über Luft und Wasser transportiert werden. Und sie können beim Menschen die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Feldmann: „Es gibt aus Italien erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen PFAS-Konzentration und Alzheimer.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.