Interview Gasa Valga

Feuriger Körper als tänzerische Erzählungen

Tirol
17.02.2026 17:00

Carmen kämpft um Freiheit, Dalí um sein wahres Ich. Der bekannte katalanische Tänzer und Choreograf Enrique Gasa Valga im „Krone“-Gespräch, kurz bevor sein Innsbruck Winter Dance Festival 2026 auf der Bühne der Dogana an den Start geht.

Innsbruck bereitet sich auf einen Tanzwinter vor, der schon fast mehr ist als ein Festival: eine Verdichtung von Geschichten, Körpern, Erinnerungen. Wenn in wenigen Tagen „Carmen“, „Saving Salvador“ und „Los Bailes Robados von David Coria“ die Dogana füllen, beginnt nicht nur ein neuer Jahrgang des Innsbruck Winter Dance Festival, sondern ein Kapitel, das untrennbar mit Enrique Gasa Valga verbunden ist – einem Künstler, der seit Jahren beharrlich die tektonischen Platten der Tiroler Tanzlandschaft verschiebt.

Zwischen Klassik und Gegenwart, zwischen lateinamerikanischer Wärme und europäischer Strenge, formt er ein Programm, das nach Emotionalität, Professionalität und Intensität strebt. Nachfolgend ein Gespräch mit einem Choreografen, der Innsbruck erneut zum Resonanzraum seiner Imagination macht.

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Uns ist wichtig, Tänzerinnen und Tänzern berufliche Chancen und Erfahrungen zu ermöglichen, denn der Zugang zum Arbeitsmarkt ist im Tanzbereich sehr schwer.

Enrique Gasa Valga

Die Freiheit im Feuer von Carmen fasziniert
„Krone“: Was hat Sie an Carmen gereizt – die Figur, der Mythos oder die Möglichkeit, all das radikal aufzubrechen?
Enrique Gasa Valga: Das Faszinierende an Carmen ist, dass die Oper und der Roman ein Skandal waren. Es war das erste Mal in der Geschichte dieser Medien, dass eine Frau entscheidet, frei zu sein und so zu lieben, wie sie es möchte. Und die den Männern begegnet, wie sie es möchte. Don José ist ihr verfallen und begehrt sie für sich alleine, was nicht möglich ist.

Wie verändert die Energie der beiden externen Tänzerinnen von La Factoria de Dansa Ihre eigene Kompanie – entsteht da Reibung, Inspiration oder beides zugleich? 
Es gab keinerlei Reibung – beide sind sehr angenehme Persönlichkeiten. Meine Kompanie empfängt Gäste immer offen. Die Zusammenarbeit besteht seit vielen Jahren; das Theater in Terrassa ist eine bedeutende Adresse des Tanzes. Uns ist wichtig, Tänzerinnen und Tänzern berufliche Chancen und Erfahrungen zu ermöglichen, denn der Zugang zum Arbeitsmarkt ist im Tanzbereich leider sehr schwierig. Genau hier können das Festival und auch ich persönlich unterstützend wirken – und das tun wir auch sehr gerne.

Ihre Stücke kreisen um Persönlichkeiten, die zwischen Licht und Abgrund leben. Ist das Zufall – oder suchen Sie in diesen Figuren etwas, das Sie selbst umtreibt? 
Ja, ich glaube, wir alle tragen helle und dunkle Seiten in uns. Genau das fasziniert mich – persönlich, aber auch im Hinblick auf das Publikum. Jeder von uns hat gute und schlechte Momente erlebt, richtige und falsche Entscheidungen getroffen. All das spiegelt sich in einem Stück wider. Die Figuren auf der Bühne sind bewusst überzeichnet, fast archetypisch. Natürlich wirkt die dunkle Seite stärker, aber ebenso stark ist ihre Menschlichkeit, ihre Größe.

Im Vorjahr begeisterte Gasa Valgas Tanzstück „Dorian Gray“ das Publikum.
Im Vorjahr begeisterte Gasa Valgas Tanzstück „Dorian Gray“ das Publikum.(Bild: Peter Koren)

Salvador Dalí war ein wahrer Meister der Selbstinszenierung. Wie begegnet man einem Künstler, der sich selbst ständig neu erfunden hat – ohne in die Falle der Überhöhung zu tappen? 
Dalís Werk kennt jeder – aber seine Biografie, der frühe Verlust der Mutter, seine obsessive Liebe zu Gala, all das hat ihn erst zu dieser widersprüchlichen Figur gemacht. Er hat ein öffentliches Ich konstruiert, eine surrealistische Maske. Uns interessiert der Mensch dahinter. Die Tänzer zeigen Dalí in seiner Verletzlichkeit, ich selbst verkörpere sein späteres, reflektiertes Ego. Dalí begleitet mich seit meiner Kindheit – meine Mutter arbeitete damals an seiner Seite. Diese Nähe hat mich schließlich dazu gebracht, ein Stück über ihn zu schaffen.

Die Bühne in Saving Salvador wirkt wie ein atmender Organismus. Wie sehr lassen Sie sich beim Choreografieren von diesen visuellen Räumen führen – und wann widersprechen Sie ihnen bewusst? 
Ich habe das große Glück, mit zwei herausragenden Bühnenbildnern aus Mailand zu arbeiten – Alberto Talarico und Valeria Angesi. Die beiden haben an der Mailänder Scala gearbeitet und für Saving Salvador einen beweglichen Raum entworfen: zwei Häuser, die sich öffnen, verschieben und ineinander übergehen können. Das eine Haus steht für Gold und das glamouröse Leben Dalís, das andere für das weiße, schlichte Haus in Cadaqués, seine katalanische Heimat. Das Spiel zwischen diesen beiden Welten – Ruhm und Herkunft, Exzentrik und Einfachheit – eröffnet enorme choreografische Möglichkeiten. Durch die Beweglichkeit des Bühnenbilds entsteht zusätzliche Dynamik, die Dalís fantastischen, irrwitzigen Geist nicht nur widerspiegelt, sondern verstärkt.

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Wir alle tragen helle und dunkle Seiten in uns. Genau das fasziniert mich – persönlich, aber auch im Hinblick auf das Publikum.

Enrique Gasa Valga

In Saving Salvador spielt auch der Gesang eine essenzielle Rolle. Greta Marcolongos Stimme trägt das Stück wie ein innerer Monolog. Was kann Musik freilegen, was der Körper allein nicht zu erzählen vermag? 
Tanz erzählt ohne Worte, aber Musik schafft Atmosphäre – sie öffnet Räume, Emotionen, Erinnerungen. Der Gesang geht noch weiter: Roberto Tubaro hat die Musik komponiert, Greta singt in Katalan, Französisch und Englisch. Diese Mehrsprachigkeit trägt Dalís Welt in sich. Der Gesang legt Wahrheiten frei, die der Körper allein nicht ausdrücken kann – er vertieft die Geschichte und führt das Publikum direkt in Dalís surreale Innenwelt.

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