Nach dem Banküberfall in Graz-Andritz haben wir den Grazer Psychologen und Influencer Alexander Tiesenhausen gefragt, was Todesangst mit Menschen machen kann.
Kann man sagen, was in jemandem vorgeht, wenn plötzlich eine Waffe auf einen gerichtet wird?
Das Gehirn registriert Gefahr in Millisekunden, die Amygdala, das Alarmzentrum, wird sofort aktiv und setzt Puls, Atmung, Muskelspannung und Stresshormone in Gang. Die Wahrnehmung verändert sich, der Horizont wird enger, der Fokus liegt nur auf der Waffe, nicht am Drumherum.
Was sind typische Reaktionen auf so eine Situation?
Kämpfen. Flüchten. Erstarren. Das ist keine bewusste Entscheidung, die man da abwägt und danach trifft, sondern eine automatisierte Schutzreaktion. Je nachdem ob es sich eben noch lohnt zu kämpfen, Flucht überlebensrettend scheint oder man erstarrt.
Hängt das nicht auch von der Persönlichkeit ab?
Natürlich. Wer Erfahrung mit solchen Situationen hat, etwa ein Cobra-Beamter, reagiert anders als jemand, der völlig aus dem Alltag gerissen wird.
Eine Bankangestellte war (siehe oben) gezwungen worden, ihre Kollegen zu fesseln. Verändert das nachhaltig die Dynamik im Team?
Die kann sogar über Wochen verändert sein. Da treffen viele Emotionen aufeinander, wie Schuld, Scham, Wut, Ohnmacht. Das muss man im Team aufarbeiten.
Wie verarbeitet man so ein Erlebnis am besten?
Das Nervensystem muss spüren, dass man wieder in Sicherheit ist. Man muss sich behutsam wieder mit dem Arbeitsplatz konfrontieren. Eine völlige Vermeidung desselben hält die Emotionen weiterhin am Laufen und ist ja auch nicht praktikabel.
Was macht Todesangst mit einem?
Sie erschüttert das Weltbild. Langfristig können Betroffene schreckhaft bleiben, immer auf der Hut. Dazu können Schlafstörungen kommen, Albträume, Misstrauen, ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wenn das andauert, rate ich zu professioneller Hilfe.
Gibt es zumindest gegen Albträume Tricks?
Sehr gute! Schlafroutinen helfen, wie davor den Körper abzuklopfen, sich dabei sagen, dass man sicher ist. Oder im wachen Zustand wieder an den Traum denken – und gut ausgehen lassen!
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