Unterwegs mit Helfern

Obdachlos im Winter: Kälte wird lebensgefährlich

Oberösterreich
09.02.2026 11:20

Die niedrigen Temperaturen setzen Menschen, die auf der Straße leben, besonders zu. Die „Krone“ sah sich die Situation in der Landeshauptstadt Linz an, war mit Helfern in der Nacht unterwegs und sprach mit Gabi, Heidi und Gerry über ihr Schicksal und ihren Alltag. 

Wochenlang war es in Oberösterreich klirrend kalt. Minus drei Grad zeigt das Thermometer, als sich die „Krone“ mit dem Verein Obdachlosenhilfsaktion am Linzer Hauptbahnhof triff – einem Hotspot der Szene. Gemeinsam mit Obmann Walter Kreische und seinem Team geht es über eine schmale Straße unter die Erde, wo wir einen langen, zugigen Gang erreichen. Mehrere Menschen suchen dort Unterschlupf und zwischen Schlafsäcken, Einkaufwagen und einer Weihnachtskrippe treffen wir die fast 60-jährige Gabi.

Gabi in ihrem unterirdischen Schlafplatz beim Linzer Bahnhof.
Gabi in ihrem unterirdischen Schlafplatz beim Linzer Bahnhof.(Bild: Horst Einöder/Flashpictures)

Nächte am Gehsteig
Seit einem Monat hat sie mit vier anderen hier ihren Schlafplatz eingerichtet, verbringt die kalten Nächte am Gehsteig. Wenn sie abends in ihren Schlafsack kriecht, trägt sie mehrere Schichten Kleidung, lässt die dicke Jacke an und wirft noch eine Decke über. „Trotzdem kann es kalt werden“, erzählt die Linzerin. Bevor sie hier gelandet ist, hat sie lange am Busterminal geschlafen. Dort hatte man nach dem Umbau die Bänke mit Handläufen versehen, um ein Liegen zu verhindern.

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Jeder will und braucht Hilfe. Nur muss diese Hilfe individuell erfolgen und kann nicht einfach übergestülpt werden.

Walter Kreische, Obmann Verein Obdachlosenhilfsaktion

Bahnhofshalle wird zu einer Wärmestube
Um sich aufzuwärmen, geht Gabi in die Bahnhofshalle. Das Zusammentreffen der Obdachlosen mit der ÖBB-Security verläuft nicht immer spannungsfrei. Während die ÖBB betonen, dass der Bahnhof allen offen steht, die sich an die Hausordnung halten, berichten etliche Obdachlose von unbegründeten Wegweisungen. So auch Gerry, der sich mit einer Gruppe Männer unterhält. Seit seiner Scheidung vor sechs Jahren lebt er auf der Straße. Hat er nachts Angst? „Man muss immer mit einem Auge und Ohr munter sein“, meint Gerry. Erzählt er von seinem Sohn, leuchten seine Augen. Kontakt besteht nur sporadisch, denn „ich schäme mich so“. Seinen Kummer ertränkt er in Alkohol, was seine Situation zwar nicht verbessert, aber erträglicher macht. Welche Macht die Sucht über ihn hat, zeigt ein Erlebnis aus der Vergangenheit: „Ich hätte eine Wohnung bekommen und hatte schon das Geld für die Kaution. Doch ich habe es auf der Tankstelle durchgebracht“.

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Ich denke nicht gerne an mein früheres Leben zurück, bevor ich obdachlos wurde. Da kommt zu viel Wut auf.

Gabi, lebt seit rund acht Jahren in Linz auf der Straße

Szenenwechsel an das Donauufer irgendwo beim Pleschingersee. In völliger Abgeschiedenheit hat Peter seinen Unterstand aus Planen aufgeschlagen. Nachdem sich Kreische bemerkbar gemacht hat, beginnt es im Inneren des Verschlages zu rascheln. Im Bodenbereich hebt sich die Plane und es taucht erst eine Hand, dann ein Kopf auf. Während am anderen Donauufer das nächtliche Linz strahlt, interessiert sich Peter vor allem für Batterien, um sein Heim zu beleuchten.

Daten & Fakten

In der Linzer Notschlafstelle stehen für Obdachlose 49 Betten um fünf Euro pro Nacht zur Verfügung. Zudem gibt es im Stadtgebiet sechs sogenannte DÜKs (Dach über dem Kopf), versperrbare Holzhütten mit Klappbank. Während es in der Welser Notschlafstelle einen Non-Complience-Bereich (Zimmer für Menschen mit psychischen Problemen oder Suchterkrankungen) gibt, ist eine Umsetzung in Linz bisher immer gescheitert. Kreische schätzt, dass rund 120 Menschen in Linz dauerhaft auf der Straße leben und von seinem spendenfinanzierten Verein unterstützt werden.

13 Menschen schon von der Straße geholt
Alkohol trinkt er keinen, vielmehr braucht er von den Ehrenamtlichen gehaltvolle Lebensmittel, „denn der Körper braucht Wärme“. An jenem Abend trägt er nur einen Pullover, seine nackten Füße sind stellenweise schwarz – ob von Schmutz oder Kälte bleibt offen. Peter ist hochgebildet, doch psychisch extrem angeschlagen. In einem Moment zitiert er Shakespeare, dann kommt wieder wirres Zeug.

Ihn wieder in ein „normales“ Leben zu führen, scheint unmöglich, aber insgesamt 13 Menschen hat Kreische schon weg von der Straße geholt. Er ist überzeugt: „Jeder will Hilfe, aber die muss passen“.

Spendenkonto: AT24 5400 0000 0025 2528; Infos zu Sachspenden: obdachlosenhilfsaktion.at

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