Die Tirol Werbung gerät einmal mehr unter (politischen) Beschuss: Mit einem Werbesujet samt irritierendem Südtirol-Vergleich auf den Social-Media-Kanälen sorgte die Landestourismusorganisation für Aufregung bei der FPÖ und schließlich bis zur Landesspitze um LH Anton Mattle (ÖVP). Die Posts wurden inzwischen gelöscht.
Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino: Oft und gerne wird sie politisch in den Mittelpunkt gerückt, Zusammenarbeit wird großgeschrieben, gemeinsame Projekte und Veranstaltungen durchgezogen. Kurzum: Die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Regionen steht im Fokus!
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hat seit Oktober den Vorsitz – ist somit aktueller Euregio-Präsident. Dass die Landestourismusorganisation einmal mehr für einen Eklat sorgt, noch dazu mit einem kuriosen Südtirol-Vergleich, soll dem Landeschef ganz und gar nicht gefallen, wie man hört.
„Tirol ist nicht Südtirol“
Aber der Reihe nach: Vor wenigen Tagen wurde auf den Social-Media-Kanälen der Tirol Werbung ein neues Werbesujet gepostet. „Tirol ist nicht Südtirol“, war darauf etwa zu lesen. Gleichzeitig verwies man zwar darauf, dass man „Südtirol lieben“ würde, aber es sich um ein anderes Land handle. Es folgen plumpe Vergleiche von Knödeln und Pizza oder Behauptungen, dass der Südtiroler Dialekt unmöglich zu verstehen sei ...
„Südtirol mit Steuergeld verunglimpft“
Das Werbesujet bringt auch die Freiheitlichen auf die Palme. Eine Grenze sei hier ganz klar überschritten worden. „Statt das historisch gewachsene Tiroler Selbstverständnis zu stärken, wird Südtirol in englischer Sprache zur Karikatur degradiert“, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.
„Wer Südtirol auf Pizza, Wein und einen ,dialect impossible to understand‘ reduziert, verspottet nicht nur einen Landesteil, sondern tritt die gemeinsame Geschichte Tirols mit Füßen“, kritisiert FPÖ-Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler. Tirol sei ein „über Jahrhunderte gemeinsam gewachsener Kultur-, Sprach- und Lebensraum – dies- und jenseits des Brenners.“
Wer so wirbt, beschädigt das Tiroler Selbstverständnis und das Verhältnis zu Südtirol gleichermaßen.

FPÖ-Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler
Bild: FPÖ
Was Kofler besonders ärgert: Die Kampagne werde aus öffentlichen Mitteln finanziert. „Eine von Steuergeldern und Pflichtabgaben bezahlte Institution hat die Pflicht zu verbinden, nicht zu spalten. Wer so wirbt, beschädigt das Tiroler Selbstverständnis und das Verhältnis zu Südtirol gleichermaßen.“ Die Freiheitliche kündigte eine schriftliche Anfrage an Tourismuslandesrat Mario Gerber (ÖVP) an.
So reagiert Landeshauptmann Mattle
Auch Landeshauptmann Anton Mattle soll – gelinde gesagt – nicht besonders erfreut sein. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: „Dieses Sujet der Tirol Werbung entspricht nicht dem Euregio-Gedanken, nicht der Zielsetzung der Tiroler Euregio-Präsidentschaft und nicht meinem persönlichen Zugang.“ Und weiter: „Südtirol ist ein Partner und Freund, kein Konkurrent oder Gegner“, distanzierte sich Mattle ganz klar vom Posting.
„Das ist in diesem Fall nicht gelungen“
Die Tirol Werbung hat die Posts mittlerweile wieder gelöscht. Gegenüber der „Krone“ hieß es: „Wir wollten mit unserem Posting zum Vergleich zwischen Tirol und Südtirol einem aktuellen Trend auf Instagram folgen, in dem sich Destinationen vorstellen und auch humorvoll vergleichen. Das ist in diesem Fall nicht gelungen und wurde der besonderen Beziehung zwischen Südtirol und Tirol leider in keinster Weise gerecht. Da dieses Posting in dieser Form ein Fehler war, haben wir es unverzüglich gelöscht.“
Erinnerungen an das Rülps-Video
Die Tirol Werbung sorgte übrigens mit ihrem Werbestil nicht zum ersten Mal für Aufsehen und Aufregung. 2024 war es etwa ein Rülps-Video. Der etwas andere Tirol-Imagefilm war eigentlich letztlich gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, tauchte aber dann doch für kurze Zeit auf Facebook auf. Was folgte, war eine Welle der Empörung. Die Tirol Werbung entschuldigte sich und erklärte damals: „Es war ein Versehen!“
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