Ergebnis der Briefwahl

Frauen am Gewehr? Tiroler Schützen sagen klar Nein

Tirol
21.01.2026 06:23

Der Nachdenk- und Entscheidungsfindungsprozess der Tiroler Schützen ging am Dienstag mit der Auszählung der Briefwahlstimmen zu Ende. Das Ergebnis: Frauen dürfen in den Kompanien auch künftig zwar als Marketenderinnen, nicht aber als Gewehrschützinnen ausrücken. 

Das verkündete der Bund der Tiroler Schützenkompanien Mittwochfrüh in einer Aussendung, nachdem am Dienstagabend die Stimmen der geheimen Briefwahl ausgezählt worden waren, zu der alle 235 Mitgliedskompanien mit je einer Stimme aufgerufen waren. Für eine Änderung der Statuten hätte eine einfache Mehrheit gereicht, die jedoch nicht zustande kam.

Klare Mehrheit für Beibehaltung des Ist-Zustandes
Zur Wahlbeteiligung war im Vorfeld kein Prozentsatz bekannt geworden, Landeskommandant Thomas Saurer sagte im „Krone“-Gespräch am Dienstag aber: „Ich weiß, dass sie sehr groß war.“ Generell sei er mit der regen Teilnahme an dem Prozess zufrieden: „Ich bin dankbar und stolz, dass das Interesse so groß war.“ Letztlich lag die Wahlbeteiligung bei rund 92 Prozent. Die große Mehrheit, nämlich knapp 87 Prozent, sprach sich dafür aus, dass alles beim Alten bleibt – es künftig also keine Schützinnen geben soll!

Zitat Icon

Das ist ein klarer demokratischer Auftrag, unsere gewachsenen Traditionen beizubehalten.

Thomas Saurer, Landeskommandant Bund der Tiroler Schützenkompanien

„Die basisdemokratische Wahl zum Grundsatzbeschluss ist eindeutig ausgefallen. Das ist ein klarer demokratischer Auftrag, unsere gewachsenen Traditionen beizubehalten“, betont Landeskommandant Saurer. Und weiter: „Es war richtig, dass wir dieses Thema offen diskutiert haben – aber jetzt ist es entschieden. Wir haben den Mut, zu unserer gewachsenen Identität zu stehen und geschlossen nach außen aufzutreten. Jede Stimme verdient Respekt – auch jene, die eine andere Position vertreten hat. Doch Demokratie heißt: Die Mehrheit entscheidet. Jetzt gilt: Weitergehen. Zusammenstehen.“

Klare Mehrheit stimmte mit Nein
Das offizielle Wahlergebnis

Soll im Bund der Tiroler Schützenkompanien die Möglichkeit geschaffen werden, dass künftig Frauen bei Ausrückungen auch als Gewehrschützinnen teilnehmen und militärische Ränge bekleiden?

  • Ja-Stimmen: 12,71 %
  • Nein-Stimmen: 86,96 %
  • Ungültige Stimmen: 0,33 %

Landeskommandant Saurer betont weiter: „In der Diskussion um Frauen im Tiroler Schützenwesen geht es nicht um Fragen der Gleichberechtigung. Vereinsrechtlich sind unsere weiblichen Mitglieder vollwertige Mitglieder und können sämtliche Funktionen bis hin zur Obfrau bekleiden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage des Erscheinungsbildes. Die Diskussion über Rollen und Ämter im Tiroler Schützenwesen ist somit keine Frage von Wert oder Fähigkeit, sondern eine Frage von Aufgaben, Formen und Sinnbildern.“

Frauen seien „eine tragende Säule unseres Schützenwesens“ – man werde weiterhin alles daransetzen, diese Leistung sichtbar zu machen, wertzuschätzen und zu stärken.

Nächste Schritte werden besprochen
Das Ergebnis der Briefwahl ist als Grundsatzbeschluss bindend. Dass nun alles beim alten bleibe, sei zu respektieren, so Saurer. „Wir haben das nicht im stillen Kämmerlein besprochen, sondern es ordentlich aufbereitet, breit diskutiert und alle miteingebunden.“ Für ihn sei dieses Thema damit für die nächste Zeit erledigt. „Es hat auch viel Zeit und Kraft gekostet, jetzt stehen andere Aufgaben an.“ 

Thomas Saurer war als Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien bei allen ...
Thomas Saurer war als Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien bei allen Viertel-Bildungstagen anwesend.(Bild: Christof Birbaumer)

Anstoß zu Änderung kam aus eigenen Reihen
Bislang – und nun auch weiterhin – dürfen Frauen als Marketenderinnen in den Tiroler Schützenkompanien zwar Funktionen wie Obfrau oder Kassierin bekleiden, sogenannte militärische Ränge und damit auch das Ausrücken mit dem Gewehr sind ihnen aber per Landesstatuten verwehrt. 

Die Debatte darüber wurde im vergangenen Sommer von zwei Schützenkompanien aus dem Tiroler Oberland angestoßen, als diese beim Bund angesucht hatten, dass Frauen bei ihnen nicht nur als Marketenderinnen, sondern auch als Gewehrschützinnen ausrücken dürfen. Dafür wäre die Änderung der Statuten nötig gewesen.

Nachdenkprozess für alle Mitglieder
Dem Bund der Tiroler Schützenkompanien war es wichtig, dass über den Sachverhalt basisdemokratisch abgestimmt wird. Im Herbst fanden daher sogenannte Viertel-Bildungstage statt, bei denen alle Mitglieder eingeladen waren, ihre Meinung zu dem Thema darzulegen. Zur Sprache kamen Aspekte wie Geschichte, Aufgaben, Rollenverteilung, Tracht oder militärische Ränge. Knapp ein Viertel der 359 Diskussionsteilnehmer waren Frauen – überproportional viele angesichts einer Frauenquote von 13,9 Prozent bei den Tiroler Schützen.

Die Erkenntnisse aus den Diskussionen wurden in neun Thesen gegossen, die an alle 235 Mitgliedskompanien ergingen und ihnen bei der Entscheidung helfen sollten. Zwischen 1. Dezember und 15. Jänner hatte jede Kompanie Zeit, in einer geheimen Briefwahl ihre Stimme abzugeben.

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