Das Grazer Kinder- und Jugendtheater Next Liberty zeigt Max Frischs Bühnenklassiker „Biedermann und die Brandstifter“ in einer Inszenierung, die nicht auf Politisierung, sondern auf eine starke Besetztung setzt.
Ein Streichholz und den Willen, es anzuzünden. Mehr braucht es nicht für ein Feuer. So offensichtlich die Dinge aber auch liegen, „Biedermann” Helmut Pucher will nicht bemerken, was die zwei Vagabunden in seinem Keller vorhaben. In Mira Stadlers knalliger Inszenierung von Max Frischs (Jugend-)Theaterklassiker „Biedermann und die Brandstifter” will er als guter Bürger „Ruhe und Frieden, nichts weiter” – und wird so zum Komplizen.
Das kräftige Farbschema (Ausstattung: Mignon Ritter) mit der Stadler die Plastikwelt der Biedermanns in Türkis und Gelb (Frau Biedermann: Christina Kiesler) vom Karmesinrot der Zündler absetzt, macht dabei durch absichtliche Eindeutigkeit Eindruck. Da das Werk als „Lehrstück ohne Lehre” keine Gesinnung predigt, sondern Bequemlichkeit und missbräuchlichen Moralismus allgemein kritisiert, setzt man klugerweise nicht auf Politisierung, sondern die starke Besetzung.
So ist Puchers Biedermann ein Abzieh-Ekel, das mit zunehmender Verzweiflung aber auch als Mensch sichtbar wird. Ihm gegenüber steht mit Christoph Steiners Brandstifter Schmitz eine Mephisto-Gestalt. Wie Steiner sich schmeichlerisch klein macht und doch immer mehr Raum einnimmt, ist große Klasse. Seinen Partner „Eisenring” spielt Martin Niederbrunner dafür entwaffnend kumpelhaft und ehrlich – durchschaut nur vom Hausmädchen Lisa Rothhardt, die mit Blicken tötet, und der machtlos hektischen Feuerwehrfrau Simone Leski.
Sie alle können den Brand nicht verhindern: Der Bürger selbst reicht die Zündhölzer.
Felix Jurecek, Steirerkrone
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