„Krone“-Protokoll

Stuttgarter „Tatort“ als Therapiestunde für Eltern

Unterhaltung
18.01.2026 16:30

Im neuen Stuttgarter „Tatort: Ex-It“ stirbt ein kleines Kind und ein weiteres verschwindet – doch der Fokus liegt auf der Aufarbeitung der zerrütteten Beziehung von Mutter und Vater. Lesen Sie hier unser beliebtes „Krone“-Protokoll zum neuesten Krimi.

Eine Mutter steht durchnässt und verzweifelt bei der Polizei: Ihr Auto sei gestohlen worden. Erst danach ergänzt sie, dass ihre beiden Kinder drin saßen. Kurz darauf wird der Wagen im Fluss gefunden – ein kleines Mädchen ertrunken darin. Vom Bruder fehlt aber jede Spur.

Kim Riedle spielt „Pony“.
Kim Riedle spielt „Pony“.(Bild: Benoît Linder)

Dieses Horror-Szenario ist der Ausgangspunkt des neuen Stuttgarter „Tatort“. Doch für Trauer um ein verstorbenes Kind hat Regisseurin Friederike Jehn im Sonntagabendkrimi (20.15 Uhr, ORF 2) nicht wirklich viel Platz. Der Scheinwerfer ist stattdessen auf die kaputte Beziehung der Eltern gerichtet. Wir erleben eine eineinhalbstündige Paartherapiestunde, obwohl ohnehin klar ist, dass hier nichts mehr zu retten ist. Genau das wollte die Filmemacherin auch erreichen, wie sie sagt: „Mich hat das Schicksal hinter der Schlagzeile interessiert, die innere Geschichte dieses Paares.“

Hans Löw spielt den unausstehlichen Ehemann Stefan.
Hans Löw spielt den unausstehlichen Ehemann Stefan.(Bild: Benoît Linder)

 Zweites großes Thema ist, dass die Mutter der Kinder früher ein sogenanntes „It-Girl“ war, also jemand, der ohne bestimmte Talente berühmt geworden ist. Mittlerweile sind Ruhm und Aufmerksamkeit dahin. Was „Pony“ (Kim Riedle), so ihr Künstlername, so oft anspricht, dass man glauben könnte, sie hätte nicht gerade einen Schicksalsschlag erlitten, von dem sich viele Menschen nie wieder erholen würden.

In „Ex-It“ sind also die Prioritäten dezent verschoben, was auch für die Ermittler gilt: Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) kommen meistens als Projektionsfläche für die Eheleute zum Einsatz, statt sich um den anstehenden Mordfall zu kümmern. Natürlich kann ein Krimi auch als Gesellschaftskritik taugen, doch in diesem Stuttgarter Fall überlagern sich die Themen so lange, bis die eigentliche Geschichte kaum noch zu sehen ist. Wem ein spannender Mordfall nicht wichtig ist, der kann den Film vielleicht dennoch genießen. Ein Pflichttermin für Krimifans ist „Ex-It“ aber sicher nicht.

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