Brandstiftungs-Prozess

Jung-Floriani legte Feuer: „Wollte Aufmerksamkeit“

Steiermark
13.11.2025 17:01

Ein obersteirischer Feuerwehrmann zündete Heu und Holzhaufen an – und war dann selbst bei den Einsätzen dabei. „Vielleicht brennt beim nächsten Mal ein Haus und es gibt Tote“, soll er seinen Kameraden gegenüber angedeutet haben. Jetzt musste sich der 17-Jährige wegen Brandstiftung vor Gericht verantworten. 

Zuerst brannte im heurigen Juni im obersteirischen Selzthal frisches Heu auf einer Wiese, am selben Tag ein Holzhaufen im Wald. Größere Schäden blieben durch das rasche Einschreiten der Feuerwehr aus. Zwei Tage später mussten die Florianis wieder zu zwei ähnlichen Bränden ausrücken. Dabei immer als erster in voller Montur beim Rüsthaus: ein 17-jähriger Nachwuchsfeuerwehrmann. 

„Vielleicht brennt beim nächsten Mal ein Haus ...“ 
Als seine Kameraden angesichts der ungewöhnlichen Serie schon über Brandstiftung spekulierten und der 17-Jährige hinter vorgehaltener Hand unter Verdacht geraten war, soll dieser auch noch durch fragwürdige Äußerungen aufgefallen sein: „Ich habe das Gefühl, heute gibt es noch einen Waldbrand“, soll er nach einer Übung gesagt haben. Und nach einem Einsatz: „Vielleicht brennt beim nächsten Mal ein Haus und es gibt Tote.“

Dazu kam es zum Glück nicht, für den Jung-Floriani klickten zuvor die Handschellen. Am Donnerstag saß der bislang unbescholtene Lehrling – begleitet von seinen Eltern und einem Bewährungshelfer – wegen versuchter Brandstiftung und gefährlicher Drohung am Landesgericht Leoben vor einem Schöffensenat.

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Ich wollte zeigen, dass ich auch was draufhabe und nicht nur der Dicke bin.

Der junge Angeklagte

Mobbing wegen Übergewicht
Er sei als Zehnjähriger zur Feuerwehr gegangen, weil auch sein Papa Feuerwehrmann ist und dieser sein Vorbild sei. „Er hat als Kind nie Anschluss gefunden und ist gemobbt worden, weil er zu dick war“, sagt sein Verteidiger zu den Hintergründen. 

„Ich wollte Aufmerksamkeit und zeigen, dass ich auch was draufhabe und nicht nur der Dicke bin“, erklärt der 17-Jährige sein Motiv und sagt unter Tränen: „Es war ein Riesenfehler, wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen.“

Drei Wochen ist der Jugendliche in Untersuchungshaft gesessen. „Danach war er wie ein anderer Mensch“, sagt sein Vater. Der 17-Jährige geht seither auch zu einem Psychologen und möchte unbedingt seine Lehre fertig machen. „Bitte sperren Sie ihn nicht ein“, appellierte auch sein Verteidiger abschließend.

Gericht lässt Milde walten
Der Schöffensenat unter der vorsitzenden Richterin Sabine Anzenberger lässt Milde walten: Der 17-Jährige fasst 15 Monate bedingte Haft auf drei Jahre Probezeit aus, samt Weisung auf Bewährungshilfe und Vollendung der Lehre. (Urteil nicht rechtskräftig). „Normal kommt ein Brandstifter nicht mit drei Wochen unbedingt (die U-Haft, Anm.) davon“, sagt die Richterin und redet dem Jugendlichen ins Gewissen: „Sie haben noch einmal eine Chance bekommen, fangen Sie was damit an!“

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