Mit seinem zweiten Album „ATHENA.“ (erscheint am 7. November) kehrt Fiio als moderner Indie-Rock-Poet zurück – zwischen Wiener Alltagsromantik, großem Sound und feinem Humor. Im „Krone“-Gespräch erzählt der Musiker, warum er sich selbst nicht zu ernst nimmt, was hinter dem geheimnisvollen Albumtitel steckt und warum Licht oft wichtiger ist als Sound.
An einem milden Herbstmorgen spaziere ich durch den 15. Wiener Gemeindebezirk, um Musiker Fiio zu treffen. Das geplante Café hat aber leider noch geschlossen – „Haha, Uups“, schreibt er mir, als ich ihm eine Nachricht schicke. Kein Problem, im 15. findet man sicher schnell Ersatz. Kurz darauf kommt mir ein junger Mann entgegen: längere Haare, Jeansjacke, Mantel, Stiefel – sein Stil erinnert mich sofort ein wenig an David Bowie. Als er direkt auf mich zukommt, weiß ich: Das muss Fiio sein. Gemeinsam suchen wir ein anderes Lokal. „Ich mag den 15. sehr, wir finden sicher was“, meint er lachend. Schließlich landen wir in einem kleinen Wiener Café, wo wir über sein neues Album „ATHENA.“ sprechen, das am 7. November erscheint. Anfangs hätte ich bei seinem Look – Tattoos, Bowie-Vibe, cooler Mantel – puren englischen Rock erwartet. Doch falsch gedacht: Seine Songs heißen „Arsch an Arsch“ oder „Alice“ und klingen eher nach deutschsprachigem Indie à la Bilderbuch.
Bei Melange und wunderbarer Morgensonne möchte ich mehr über den Menschen Florian Stundner und den Musiker Fiio erfahren.
„Krone“: Fiio, wie würdest du dich denn als Künstler selbst beschreiben?
Fiio: Schwierige Frage (lacht). Ich glaube, ich mache coole Indie-Musik aus Wien. Gehe gern Kaffee trinken, lese viele Bücher und spiele Gitarre.
Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?
Ich komme aus einem musikalischen Haushalt. Meine Mama hat viele Instrumente gespielt und getanzt, mein Papa hatte einen guten Musikgeschmack und sehr viele Platten. Ich habe als Kind brav Gitarre gelernt – zuerst ohne Lust, später mit Begeisterung. Für mich war die Musik also schon immer da.
Wie würdest du deinen Sound in drei Worten beschreiben?
Verträumt, tanzbar und alltagsromantisch.
Dein zweites Album „ATHENA.“ erscheint am 7. November. Wie fühlt sich das an?
Schön - und ein bisschen schmerzhaft. Es ist, als würde man etwas loslassen. Man trägt diese Idee so lange mit sich herum, und plötzlich ist sie draußen. Es ist, als würde ein Vogel das Nest verlassen. Ich bin in dem Fall die Mama, die schwer loslassen kann (lacht). Aber ich freue mich darauf.
Wie lange habt ihr daran gearbeitet?
Ziemlich genau ein Jahr – von den ersten Ideen bis zum fertigen Master.
Wie entstand denn der Titel und woher kommt er?
Ich wollte etwas Kurzes und Eindringliches – das Gegenteil von meinem ersten, sehr prätentiösen Albumtitel. „ATHENA.“ ist wie ein Easter Egg: ein Hinweis, der sich nie ganz auflöst. Viele denken, es geht um etwas Mystisches, eine Frau oder Göttin – aber das tut es gar nicht. Ich fand einfach die Symbolik schön, den Helm, die Stärke, die Kunst. Und ich wollte die Leute auf eine falsche Fährte schicken.
Wie bei deinem Song „Alice“, wo alle wissen wollten, wer Alice ist?
Genau (lacht). Die Leute fixieren sich sofort auf eine Person – als müsste es immer um eine Frau gehen. Dabei sind Namen in Songs für mich eher Symbole. „Alice“ ist kein Mensch, sie ist ein Gefühl, ein Traum, eine Erinnerung. Ich finde es spannend, dass Hörer sofort konkrete Bilder brauchen, obwohl Musik oft gerade in der Offenheit lebt.
Mit wem arbeitest du eigentlich an der Entstehung deiner Songs?
Ich arbeite intensiv mit Musikproduzent Jakob Lippert zusammen. Er ist der Sohn von Opernstar Herbert Lippert. Wir denken eher in Projekten als in einzelnen Songs. Wir wollten zum Beispiel bei „ATHENA.“ diesen 2000er-Indie-Rock-Vibe einfangen – ein bisschen New York, ein bisschen Nostalgie.
Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders viel bedeutet?
Ja, der Titel-Song „Athena.“ Ich habe lange keine klassische Ballade mehr geschrieben. Sie ist traurig, dramatisch, sehr nah an meiner Realität. Beim Singen tauche ich jedes Mal in ein bestimmtes Gefühl ein – das liebe ich. Und dann gibt’s noch „Reality TV“ und „Shotgun auf den Sonnenschein“ - die sind nur auf dem Vinyl, nicht digital. Ein weiteres kleines Easter Egg für alle, die Platten hören.
Gibt es eigentlich Künstler, die dich geprägt haben?
Viele. Ich kann das schwer auf einen Namen runterbrechen. Für „ATHENA.“ vielleicht am ehesten The Strokes, aber auch David Bowie – ich höre aber ständig Neues. Wenn man sich zu sehr auf ein Idol festlegt, läuft man Gefahr, es zu kopieren – und das will ich nicht.
Auf dem Album sind keine Features. Gibt es jemanden, mit dem du gern mal arbeiten würdest?
Früher hätte ich da sofort Namen genannt. Heute sage ich: Ich arbeite mit Leuten, die mich wirklich inspirieren – wer das ist, weiß ich noch nicht. Aber klar, Bilderbuch sind für mich schon eine der großartigsten deutschsprachigen Bands.
Wie gehst du mit Kritik und Erwartungsdruck um?
Ehrlich gesagt: gar nicht so schlecht. (lacht) Ich bekomme zum Glück wenig Hass im Internet – wahrscheinlich auch, weil ich ein Typ bin, das ist leider ein Faktor. Und ich glaube, meine Musik ist schwer zu hassen. Man kann sie mögen oder nicht, aber sie ist harmlos genug, um keinen Shitstorm zu kriegen. Die härteste Kritik kommt eh von mir selbst. Ich bin mein größter Gegner, und das bleibt wohl auch so.
Verbringst du viel Zeit auf Social Media?
Zu viel. Es ist nicht gesund. Das Internet ist faszinierend und furchtbar zugleich. Ich liebe es, aber ich glaube, es macht uns alle ein bisschen dümmer. Alles wird repetitiv, abgestumpft – und dadurch gehen in der Kunst auch Risiken verloren. Das finde ich schade.
Du spielst am 22. November im Chelsea, das ist ausverkauft sogar. Was erwartet die Fans denn dort?
Wir bringen eine ganz neue Lichtinstallation mit – kein klassisches Backdrop-Konzert, sondern ein Mix aus Musik, Show und Lichtkunst. Jakob spielt Schlagzeug, und wir haben Panels, die mit der Musik reagieren. Mir ist wichtig, dass das visuell wirkt, weil Licht oft unterschätzt wird. Wenn der Sound mal nicht perfekt ist, ist mir das wurscht – aber wenn das Licht schlecht ist, dann ist’s schlimm (lacht).
Wie geht’s nach dem Chelsea weiter?
Wir spielen im Februar nochmal dort, dann Supportshows mit Mola – darauf freue ich mich sehr – und 2026 geht’s auf „ATHENA.“-Tour durch Österreich und Deutschland.
Das klingt spannend, was nimmst du dir denn für die nächsten Jahre als Künstler weiter vor?
Lange Haare und viele Anzüge – alle müssen schwarz sein. Ich sehe mich eher dann als Indie-Rock-Poet mit Lederbuch und Hut, der auf der Bühne steht und monotone Gedichte vorliest. Ich liebe die Sprache, und vielleicht wird das irgendwann meine Richtung. Ich arbeite ja auch an einem Buch auch.
Du arbeitest tatsächlich an einem Buch?
Ja, ich schreibe dran. Es ist keine Biografie, eher etwas Autofiktionales - filmisch, manchmal absurd. Es ist irgendwo zwischen Traum und Realität. Irgendwann meinte jemand zu mir: „Schreib doch Gedichte!“ Also hab ich’s probiert. Vielleicht ist es bis Dezember fertig, vielleicht auch nicht. Ich mache das, weil ich Lesen liebe.
Zum Schluss: Welche Botschaft sollen die Leute mitnehmen, wenn sie dein Album hören?
Alltagsromantik. Ich will, dass man merkt, wie schön das Gewöhnliche sein kann - wenn man nur richtig hinsieht. „ATHENA.“, ist für mich ein Album über diesen Moment, in dem man realisiert: Ich bin da, ich lebe. Es ist hoffnungsvoll, verträumt und ein bisschen bittersüß – so wie das Leben halt.
*Wer jetzt Lust bekommen hat, sich Fiios Konzert anzusehen und leider keine Tickets mehr für den 22. November bekommen hat – 27. Februar 2026 spielt er wie erwähnt nochmals im Chelsea (Tickets: www.oeticket.com). Schnell sein lohnt sich.
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