Eine Welle an Missbrauchsvorwürfen erschüttert aktuell die SOS-Kinderdörfer in Österreich. Nun starten ehemalige Zöglinge eine Petition zur Rettung der Einrichtung – sie fordern auch klar eine personelle Neuaufstellung.
Die SOS-Kinderdörfer in Österreich werden aktuell in ihren Grundfesten erschüttert. Die Welle an schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfen reißt einfach nicht ab (zuletzt etwa in Oberösterreich) – selbst der 1986 verstorbene Gründer Hermann Gmeiner soll wehrlosen Kindern Grauslichkeiten angetan haben. „Eine unglaubliche Negativ-Spirale, die sich immer schneller zu drehen scheint“, sagt Martin Zernig.
Der Kärntner lebte selbst bis zu seinem 18. Lebensjahr in einem SOS-Kinderdorf – dort wuchs auch Friedrich Santner, Vorstand der Anton Paar Group mit Hauptsitz in Graz und weltweit rund 4200 Mitarbeitern, auf. Die beiden riefen jetzt die Petition „Rettet das Kinderdorf“ ins Leben. „Weil wir ganz einfach einen Gegenpol setzen wollten“, erklärt Zernig. „Ja, auch wir haben Licht und Schatten in unserer Zeit im Kinderdorf erlebt – aber das Licht hat bei Weitem überwogen. Wir empfinden eine große Dankbarkeit, so wie wir aufwachsen durften. Ich bin etwa mit meiner Kinderdorfmama noch immer in Kontakt und besuche sie im Pflegeheim.“
Nach vier Tagen haben via petitionen.com/rettetdaskinderdorf schon mehr als 1000 Menschen unterschrieben. Hunderte Kommentare wurden verfasst, die teilweise unter die Haut gehen. „Viele haben wirklich Angst, dass diese Institution zerschlagen wird. Dabei leistet der absolute Großteil der Mitarbeiter Übermenschliches. Uns geht’s ja auch um die Kinder, die jetzt dort leben und alles mitbekommen.“
„Die Aufarbeitung darf jetzt nicht auf Kosten jener gehen, die heute im Kinderdorf leben und arbeiten.“

Friedrich Santner
Vorstand Anton Paar Group
Bild: Daniela Beranek/Erste Group
Neue Führung
Dies schlägt sich auch im ersten Punkt der Forderungen zur Neuausrichtung der SOS-Kinderdörfer nieder: „Die Aufarbeitung darf nicht auf Kosten jener gehen, die heute im Kinderdorf leben und arbeiten“, stellt das Duo klar. Außerdem fordern sie eine neue Führung, die „Haltung, Integrität und Menschlichkeit lebt“. Man vertraue allerdings auch der lückenlosen Aufklärung der Anschuldigungen durch die Kommission unter Irmgard Griss.
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