18. Februar 2014

Das Fernsehen zeigt geschundene Frauen

Sport
17.02.2014 22:14
Trüb, nass, neblig. Olympia ist ungemütlich geworden. Die leichte Frühlingsstimmung ist draußen nun in ein trauriges Grau gepackt, das eher an den Herbst erinnert. Das russische Fernsehen zeigt drinnen derweilen Bilder ausgemergelter Frauen. Das hebt die Stimmung auch nicht wirklich. Mutig, denkt man sich. Folteropfer einfach so im TV zu zeigen. Gnadenlos die Darstellung der Behandlung von Regime-Gegnern.

Die Haare zerzaust, offensichtlich ausgerissen. Aufgerissene Lippen. Schwarze Augenhöhlen - wie Hämatome. Und dicke Augenringe. Logisch: Schlafentzug. Eine verdammte Quälerei und ja, Sauerei.
Dann schwenkt die Kamera auf die Moderatorin. Drogerie-blond, toupiert, in giftgrünem Kleid. Kermit als Golden Girl.

Mit ausladenden Gesten zeichnet die Dame die wüsten Verletzungen der Folteropfer nach, zeigt immer wieder auf die Augen. Kreisrunde Bewegungen.

Dann betreten andere Damen das Studio. Offensichtlich die Folteropfer. Erholt & gesund. Zum Glück. Die Spuren der Gewalt sind beseitigt und verheilt.

Das nennt man Journalismus. Das Verbrechen aufzeigen, den Opfern helfen. Nein, dieser Sender lässt sich von den Machthabern nicht gängeln, der bietet dem Unrecht die Stirn.

Das Kichern wird zu einem Lachkrampf
Im Hintergrund des Mediencafés, in dem der Fernseher läuft, beginnen zwei junge Mädchen im offiziellen Olympia-Gewand zu kichern. Und das anfangs leise Gicksen wächst sich schnell zu einem echten Lachkrampf aus. Aber, Mädchen, man macht sich doch nicht lustig über Menschen, die so ein Schicksal...

Langsam dämmert’s. Und eine dezente Röte schleicht sich ins Gesicht. Nein, das sind keine Folteropfer, das ist kein Aufdeckungsjournalismus. Das ist russisches Vormittags-Fernsehen. Schminktipps für Hausfrauen. Mit dem Vorher-Nachher-Effekt. Eindrucksvoll. Ehrlich.

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(Bild: KMM)



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