Bis zu 38 cm dünner

Eisdicke der arktischen Seen nimmt drastisch ab

Wissenschaft
05.02.2014 06:00
Arktische Seen frieren später im Jahr zu und tauen früher auf, sodass die winterliche Eissaison heute rund 24 Tage kürzer ist als noch 1950. Das ist zusammengefasst das Ergebnis einer Studie der University of Waterloo in Kanada, die zudem zeigt, dass sich der Klimawandel dramatisch auf die Dicke des Eises zum kältesten Zeitpunkt der Saison auswirkt.

So war etwa das Eis arktischer Seen im Jahr 2008 um bis zu 38 Zentimeter dünner als noch anno 1950, schreiben die Forscher im Fachmagazin "The Cryosphere". "Wir haben festgestellt, dass die Eisdicke aufgrund der klimatischen Erwärmung in der Region enorm zurückgegangen ist", sagte Hauptautorin Cristina Surdu von der Fakultät für Geographie und Umweltmanagement an der Universität Waterloo. "Beim Ansehen der aktuellen Werte waren wir schockiert, wie dramatisch die Veränderung ist."

Über 400 Seen in Alaska untersucht
Die Untersuchung an über 400 Seen am Nordabhang von Alaska war die erste, bei der es Forschern gelang, die Größenordnung der Veränderung bei der Seevereisung in der Region über einen so langen Zeitraum zu dokumentieren. "Bereits vor der Untersuchung hatten wir aufgrund von Temperatur- und Niederschlagsaufzeichnungen der letzten fünf Jahrzehnte aus der meteorologischen Station in Barrow mit einer Verringerung der Eisdicke gerechnet", sagte Surdu.

Das Forscherteam verwendete für die Studie Radarbilder der 1991 bzw. 1995 gestarteten ESA-Satelliten "ERS-1" und "ERS-2" (kleines Bild), um zu belegen, dass 1992 noch 62 Prozent der Seen in der Region bis auf den Grund zugefroren waren. Knapp 20 Jahre später (2011) war dies nur noch bei 26 Prozent der Fall. Insgesamt gab es bei dem von den Wissenschaftlern sogenannten "Grundeis" von 1992 bis 2011 einen Rückgang von 22 Prozent.

Eisdicke mittels Radarsignalen gemessen
Die Unterscheidung zwischen voll zugefrorenen Seen und solchen, die nicht bis auf den Grund zugefroren sind, war möglich, weil die Satelliten-Radarsignale sich sehr unterschiedlich verhalten, je nachdem ob Wasser unter dem Eis vorhanden ist oder nicht. Ist ein Gewässer bis auf den Grund zugefroren, werden die Radarsignale vom Sediment auf dessen Grund absorbiert. Befinden sich jedoch Wasser und Blasen unter dem Eis, wird der Radarstrahl stark zurück in Richtung Radarsystem reflektiert. Deshalb erscheinen komplett zugefrorene Seen auf Satellitenbildern sehr dunkel, während nicht komplett zugefrorene Seen hell sind.

Die Modellsimulationen ergaben, dass die Seen in der Region im Winter 2011 nahezu sechs Tage später zufroren und 18 Tage früher auftauten als im Winter 1950. Kürzere Vereisungszeiten können zu Veränderungen der Algenproduktion im See sowie zum Auftauen des Permafrostbodens am Seegrund führen.

"Dramatische Veränderung der Seevereisung"
"Die Veränderungen der Vereisung und der kürzere Winter betreffen auch die Kommunen des Nordens, die für den Warentransport von Eisstraßen abhängen", sagte Surdu. "Die dramatische Veränderung der Seevereisung kann außerdem zur weiteren Erwärmung der ganzen Region beitragen, weil offenes Seewasser wärmere Lufttemperaturen verursacht, wenn auch in geringerem Maße als Meerwasser."

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