03.02.2014 15:55 |

Experten-Ranking

Diese Länder sind 2014 die Wirtschafts-Krisenherde

Nachdem die Schwellenländer über Jahre hinweg eine Sonderkonjunktur gefeiert und die Weltwirtschaft in Schwung gehalten haben, ist es laut Experten nun vorbei mit der Partystimmung. Die US-Denkfabrik IHS hat für die deutsche "Welt am Sonntag" eine Liste jener Staaten erstellt, die als die größten Wackelkandidaten des Jahres 2014 gelten. Dafür haben die Wissenschaftler die Wirtschaftsdaten der Länder ausgewertet sowie die politische Situation und die Anfälligkeit gegenüber einem weltweiten Abschwung betrachtet.

Die Schwellenländer wuchsen laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer im Durchschnitt der letzten zehn Jahre um 6,5 Prozent - und damit gut dreimal so schnell wie die Industrieländer. Doch seit die US-Notenbank damit begann, ihre ultralockere Geldpolitik zurückzufahren, sei der Mega-Boom nun zu Ende. Denn "schließlich waren all die Milliarden, die die Fed in die Märkte pumpte, in den vergangenen Jahren zu erheblichen Teilen in renditeträchtige Wachstumsmärkte geflossen", schreibt das Blatt. Krämer dazu: "Die Sonderkonjunktur ist vorbei, wir werden eine Normalisierung der Wachstumsraten in den Schwellenländern erleben."

Laut "Welt" können sich hinter dieser recht harmlos erscheinenden Formulierung jedoch "dramatische Abstürze" einzelner Staaten verbergen. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank in London, erklärt: "Verwundbar sind alle Schwellenländer, die über ihre Verhältnisse gelebt haben." Dies zeige sich demnach typischerweise in einem hohen Finanzierungsbedarf, also einem hohen Fehlbetrag in der Leistungsbilanz, der durch Kapital aus dem Ausland gedeckt werden muss.

Venezuela, Ägypten und Argentinien an der Spitze
Angeführt wird das IHS-Krisen-Ranking von Venezuela. Die Ökonomen des Think Tanks schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft dort für mindestens ein Jahr lang schrumpft, auf 42 Prozent. Als Risikofaktoren gelten Kapitalflucht, schwache Exporte, Währungskrise und politisches Chaos.

Auf Platz zwei folgt Ägypten, ein ebenfalls politisch instabiles Land. Dadurch ausbleibende Touristen sowie eine sinkende Erdgasproduktion bilden dort die größten Probleme. Das drittplatzierte Argentinien wiederum leidet unter anderem unter einem hohen Leistungsbilanzdefizit und einer Währungskrise.

Als wenig robust schätzen die Wissenschaftler auch Russland (u.a. Kapitalflucht und schwache Rohstoffexporte), Nigeria (Gefahr politischer Gewalt, Unsicherheit in der Ölförderregion, Arbeiterunruhen), Südafrika (ebenfalls Arbeiteraufstände, schwache Rohstoffexporte und restriktive Geldpolitik) sowie Indien (u.a. Infrastrukturprobleme, Kapitalflucht und restriktive Geldpolitik) ein. Für alle genannten Länder liegt das Risiko einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten laut IHS bei 25 Prozent oder höher.

Vergleichsweise hohe Risiken sieht die Denkfabrik außerdem etwa in Thailand, in der Türkei und in Brasilien. Laut "Welt"-Angaben deckt sich die Einschätzung des IHS damit vielfach mit der anderer Ökonomen. So zählt etwa auch die Investmentbank Morgan Stanley Südafrika, Indien, Brasilien, Thailand und die Türkei zu den besonders gefährdeten Ländern.

Die meisten Ökonomen sehen nicht gänzlich schwarz
Doch wie das Blatt weiter schreibt, seien sich die meisten Volkswirte darin einig, trotz der nunmehrigen Turbulenzen noch nicht von einer drohenden großen Krise sprechen zu wollen. "Zwar könnten einige wenige Länder 2014 in eine tiefe Rezession stürzen, doch in den meisten Schwellenländern dürfte sich das Wachstum lediglich verlangsamen", zitiert die "Welt" IHS-Ökonom Farid Abolfathi.

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