Fr, 17. August 2018

Milliardengrab

13.12.2013 16:30

Das Hypo-Desaster sprengt alle Vorstellungen

Sie schwebte wie eine dunkle, Unheil verkündende Wolke über den Koalitionsverhandlungen: Die Hypo Alpe Adria und mit ihr die Frage, wie viel den Steuerzahler der Abbau der Altlasten noch kosten wird. Die neuesten Berechnungen und Erkenntnisse sind so furchtbar, dass man versucht, sie unter Verschluss zu halten. Bezeichnenderweise findet sich im offiziellen Koalitionspakt auch keine einzige Zeile zur Hypo.

Das hat einen guten Grund. Denn das Schreckensszenario, wonach die "Abwicklung" der Hypo den Steuerzahler weitere zehn bis 13 Milliarden Euro kosten wird, scheint kaum noch zu verhindern. Bereits bisher flossen 3,8 Milliarden Euro vom Bund (180 Millionen Euro vom Land Kärnten) plus rund 1,5 Milliarden Euro von der BayernLB in die Pleitebank.

Diese sitzt allerdings auf Altlasten, die mittlerweile die Höhe von 19 Milliarden Euro erreicht haben. Davon sind nur rund sechs Milliarden "werthaltig" bzw. gut besichert. Es bleiben somit 13 Milliarden an faulen Krediten und schwer verwertbaren Immobilien übrig, wo sich nur eine Frage stellt: Verliert man beim Beenden der Geschäfte 70, 80 oder gar 100 Prozent?

Vier Vorschläge an Regierung
Nun hat eine Gruppe von Experten, angeführt von Hypo-Aufsichtsratschef Klaus Liebscher und Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, ein Gutachten beim renommierten internationalen Finanzberater Oliver Wyman bestellt und auf dessen Basis vier Vorschläge an die Regierung gemacht:

  • Ein Weitermachen wie bisher (also ständig neues Eigenkapital hineinpumpen) scheidet aus.
  • Einen Konkurs der Hypo haben Nowotny und Liebscher dezidiert ausgeschlossen. Es wäre zwar kaufmännisch die "billigste" Lösung, weil die Zeichner von Hypo-Anleihen (mit Garantie des Landes Kärnten) Geld verlieren und auch die Bayern, doch die schwer kalkulierbaren Folgen für den Standort Österreich und Kärnten würden einen weitaus größeren Schaden verursachen.
  • Bleibt also die Schaffung einer "Abbaueinheit", die dann keine "Bank" mehr ist. Dass man die anderen Banken dazu überredet, sich daran zu beteiligen, gilt mittlerweile als höchst unwahrscheinlich. Die Risiken sind hoch. Dass die EU die Hypo-Altlasten nicht als neue Staatsschulden wertet, wenn andere Banken dabei sind, könnte eine trügerische Hoffnung sein.
  • Daher bleibt die Variante, dass der Bund alleine die Abbaueinheit übernimmt und sich unsere Staatsschulden daher auf rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen. Die Kosten für die Hypo-Abwicklung könnte man dann zwar auf zehn bis 15 Jahre verteilen, doch es bleibt eine Dauerbelastung fürs Budget.

Einfach würde auch das nicht. Bei der EU hat sich Österreich eine Gesamthilfe für die Hypo (10,3 Milliarden Euro) genehmigen lassen. Doch darin enthalten wäre maximal noch der Spielraum für weitere 3,6 Milliarden Euro an frischem Eigenkapital. Damit kommt man nicht aus. Es müssen Gesetze geändert und neuerlich nach Brüssel gepilgert werden. Ein Desaster, das alle Vorstellungen sprengt...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.