Nächtliches Training

Israels Armee übt an ahnungslosen Palästinensern

Ausland
13.11.2013 12:29
Die israelische Armee benützt palästinensische Zivilisten für militärische Übungen - allerdings ohne diese darüber zu informieren oder gar vorab deren Einverständnis einzuholen. Vielfach würden Palästinenser festgenommen und ihre Häuser von Israelis durchsucht, nur um im Nachhinein informiert zu werden, dass es sich lediglich um eine Übung gehandelt habe, beklagt eine israelische Menschenrechtsgruppe.

Die Organisation Yesh Din hat zwei solcher Übungen in diesem Jahr aufgedeckt, berichtet der britische "Guardian". Bei der ersten sei am 29. Mai eine große Truppe israelischer Soldaten in voller Montur in das kleine palästinensische Dorf Amatin im nördlichen Westjordanland einmarschiert.

Die Armee habe dort mehrere Stunden lang für Angst unter den Einwohnern, besonders Kindern und älteren Menschen, gesorgt. Die Soldaten hätten Häuser umstellt, Familien aus den Betten gerissen und die Suche nach Waffen nachgestellt. Zudem habe es zahlreiche vermeintliche Festnahmen gegeben. Erst kurz vor Mitternacht hätten sich die Soldaten zurückgezogen, berichtet Yesh Din.

Hausdurchsuchung bei Aktivisten
Bei der zweiten Übung hätten 15 bewaffnete israelische Soldaten das Haus des bekannten palästinensischen Aktivisten Issa Amro in Hebron durchsucht. Dieser sei mit seiner Familie gerade dabei gewesen, das Abendmahl während des Ramadan zu beenden. Die Soldaten hätten nicht nur sein Haus durchsucht, sondern auch noch die Tür eines Nachbarhauses zerstört, heißt es.

Menschen als Ersatz für Papp-Übungsziele
In keinem der Fälle seien die Palästinenser darüber informiert worden, dass es sich lediglich um eine Übung handle, so Yesh Din. Nach Informationen ehemaliger israelischer Soldaten würden vor allem Zivilisten ohne Verbindung zu militärischen Aktivitäten für solche Übungen ausgesucht - vermutlich, da bei diesen keine Gegenwehr zu befürchten ist. "Wir haben Häuser, Straßen, Menschen wie Übungsziele aus Pappe benützt", sagte einer der Informanten aus.

Israel gibt Übungen zu
Die israelischen Streitkräfte streiten die Vorwürfe nicht ab. In einem Brief an Yesh Din des zuständigen Generalanwalts heißt es, um die Ordnung im Westjordanland zu garantieren, sei Training unabdingbar - "manchmal sogar in bewohnten Gebieten". Allerdings müssten Soldaten "vermeiden, die Bevölkerung in Gefahr zu bringen, deren Besitztümern zu beschädigen oder die Lebensroutine unangemessen zu stören".

In Amatin sei alles planmäßig abgelaufen, so die Streitkräfte - eine Beschwerde sei nicht zulässig. Lediglich im Fall Amro sei die Übung "unsachgemäß" ausgeführt worden. Dennoch müsse "diese Sache nicht weiter behandelt werden".

Änderung trotz Beschwerden unwahrscheinlich
Yesh Din will sich damit jedoch nicht zufrieden geben. Schließlich handle es sich bei den unangekündigten Übungen an Zivilisten um eine "unnötige und rechtswidrige Verletzung grundlegender Rechte", von der eine Gefahr für die Sicherheit und das Eigentum der Palästinenser ausgehe. Dass die israelische Armee künftig auf derartiges Vorgehen verzichtet, ist dennoch unwahrscheinlich.

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