10.11.2013 16:33 |

Gedenkfeier in Wien

Novemberpogrome für Fischer eine "Schande"

Mit einer Matinee im Wiener Stadttempel hat die Israelitische Kultusgemeinde am Sonntag den Novemberpogromen vor 75 Jahren gedacht. Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete die Ereignisse als "Schande", Oberrabbiner Chaim Eisenberg als "Test für den Holocaust". Bei dem vom NS-Regime organisierten Pogrom in der Nacht auf den 10. November 1938 wurden allein in Österreich 30 Juden ermordet.

Bei den vom Nazi-Regime organisierten Ausschreitungen wurden zahlreiche jüdische Einrichtungen verwüstet, Synagogen, Bethäuser, Wohnungen und Geschäfte zerstört. In Österreich wurden 30 Menschen getötet, 7.800 weitere Personen verhaftet und aus Wien rund 4.000 Juden ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im gesamten Deutschen Reich gab es 91 Todesopfer.

Fischer erinnert an Mitverantwortung der Österreicher
Bundespräsident Fischer erinnerte an die Mitverantwortung der österreichischen Zivilgesellschaft für die Ausschreitungen, denn die meisten Menschen hätten weggesehen, geschwiegen oder sich sogar selbst an den Verbrechen beteiligt: "Was vor 75 Jahren im Herzen Wiens geschah, was sich Wienerinnen und Wiener in einer Hauptstadt abendländischer Kultur zuschulden kommen ließen, ist eine Schande, die nicht vergessen werden kann und nicht vergessen werden darf."

Der Präsident der Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, verwies darauf, dass erst kürzlich eine Umfrage einen deutlichen Anstieg des Antisemitismus in mehreren europäischen Ländern gezeigt habe. Zudem beschwerte er sich über die "selbstgerechte, einseitige Kritik" an Israel in der Nahost-Debatte - zumal vielen Kritikern zu Menschenrechtsverletzungen in anderen Staaten nichts einfalle. "Diese Doppelmoral trägt antisemitische Züge", meinte Deutsch.

Eisenberg: "Es wurde getestet, ob die Bevölkerung mitmacht"
Oberrabbiner Eisenberg sieht die Novemberpogrome 1938 auch als Test für die Bereitschaft der Bevölkerung, eine noch schlimmere Judenverfolgung zu akzeptieren. "Es wurde getestet, ob sie das mitmachen", sagte Eisenberg. Die Nazis hätten die Bevölkerung "aufgestachelt und verblendet". Ab den Novemberpogromen sei klar gewesen, dass noch Schlimmeres folgen konnte.

Dass der 1826 eingeweihte Stadttempel im November 1938 nicht niedergebrannt wurde, liegt an dessen enger Verbauung mit den umgebenden Häusern in der Wiener Innenstadt. Der Innenraum wurde zwar verwüstet und entweiht, das Gebäude selbst blieb allerdings erhalten.

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