Skurriler Bau

Fledermausbrücken verwundern Steuerzahler

Ausland
04.11.2013 12:54
Sie kosten 400.000 Euro und sollen Fledermäuse über die Fahrbahn der neuen Nordumfahrung von Biberach (Baden-Württemberg) leiten: Zwei spezielle Fledermausbrücken sollen die nachtaktiven Tiere über die Straße lotsen. Der Bund der deutschen Steuerzahler ist verwundert – denn Studien, wonach die Fledermäuse die Brücke auch nützen werden, gibt es nicht.

Man sollte meinen, Fledermäuse könnten über die Fahrbahn einfach drüberfliegen. Für den deutschen Tierökologen Jürgen Trautner ein Irrtum. Es gebe Fledermausarten, die knapp über den Boden fliegen, und ohne die mehr als 30 Meter langen Fledermausbrücken würden die nachtaktiven Tiere leicht mit Autos oder Lastwägen zusammenstoßen. Da Fledermäuse aber pro Jahr nur wenig Nachwuchs haben, könnte sich der Verkehr drastisch auf die Bestände von derzeit einigen Hundert Tieren auswirken.

Nachdem die Umfahrung zwei Waldstreifen, in denen mehrere Fledermausarten leben, durchschneidet, musste man sich beim Straßenbau an Naturschutzrichtlinien halten, erklärte Georg Strolz, Leiter des Straßenamts, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Wie ein Trichter
Das Prinzip der Überflughilfen: Die zwei Brücken "Großes Mausohr Brücke" und "Große Abendsegler Brücke" sollen wie eine Art Trichter funktionieren. Die Tiere orientieren sich nämlich mittels Ultraschallwellen. Durch Zäune, Bäume und Pflanzen, die links und rechts um die Brücken stehen, sollen die Fledermäuse zu den Brückeneingängen gelotst werden. Ob die Behelfe auch das halten, was sie versprechen, weiß aber keiner. Derzeit befinden sich die Tiere nämlich im Winterschlaf, erst im Mai 2014 könne die Funktionalität mittels Infrarotkameras überprüft werden.

Verwunderung und hämische Kommentare
400.000 Euro mussten für die Flugkorridore lockergemacht werden, was der Bund der Steuerzahler eher skeptisch betrachtet. Dieser fragt sich nämlich, ob die Brücken von den Tieren auch tatsächlich genützt werden und hofft auf Fledermausbilder. Wird die Brücke von den Tieren nicht benützt, argumentiert der Bund der Steuerzahler, wären nicht nur die Baukosten, sondern auch 35.000 Euro für die Errichtung der Kameraanlagen in den Sand gesetzt worden.

Auch auf Twitter betrachtet man das Projekt argwöhnisch. Ein User wirft etwa die Frage auf, ob es sich bei den Fledermausbrücken um einen Schelmenstreich handelt. Ein anderer Nutzer ist sich nicht sicher, ob er "lachen oder weinen" soll. Detail am Rande: Sollten die Fledermäuse die Brücken verschmähen, dann benützt sie niemand. Für Fußgänger ist sie nämlich nicht freigegeben worden.

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