19.10.2013 14:56 |

Als Baby entführt?

Griechische Polizei findet Kind (4) in Roma-Lager

Die griechische Polizei hat vor Kurzem bei einer Routinekontrolle in einem Roma-Viertel eine mutmaßlich im Säuglingsalter entführte Vierjährige entdeckt. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft wurden am Freitag Fotos der kleinen Maria veröffentlicht, um die biologischen Eltern zu finden. Das Paar, das sich als Eltern ausgab, wurde verhaftet.

Das Mädchen mit besonders heller Haut, blonden Haaren und grünen Augen war am Donnerstag bei einer Polizeikontrolle in einem Roma-Lager der Stadt Farsala entdeckt worden. Laut der Polizei passte sein Aussehen in keiner Weise zu dem seiner angeblichen Eltern. Überdies hätten Tests keine Übereinstimmung zwischen der DNA Marias und jener des 39-jährigen Mannes und seiner 40-jährigen Frau ergeben.

Das Paar, das auch im Besitz der Geburtsurkunde des Athener Mädchens war, machte widersprüchliche Angaben dazu, wie es das Kind gefunden habe. Die Polizei geht davon aus, dass es 2009 kurz nach der Geburt seinen Eltern weggenommen wurde. Anschließend dürften sich die beiden Tatverdächtigen in Athen Geburtsurkunde und Taufschein erschlichen haben. Die genauen Umstände der mutmaßlichen Entführung blieben zunächst unklar.

Geburtskliniken und Kinderheime im Visier der Ermittler
Die griechische Polizei forscht nun laut Medienberichten in Geburtskliniken, Krankenhäusern und Kinderheimen nicht nur nach Marias Eltern, sondern auch nach anderen vergleichbaren Fällen, die auf organisierten Kinderhandel hinweisen könnten. Interpol wurde um Mithilfe bei der Identifizierung gebeten. Man hoffe, Informationen zur Herkunft des Kindes zu erhalten, sagte der Polizeichef der Region Thessalien.

Die Anwältin des verdächtigen Paares sprach am Freitagabend im Fernsehsender "Skai" von einer illegalen Adoption. Das Mädchen sei von einer ausländischen Frau in Griechenland geboren worden. "Sie wollte das Kind loswerden", sagte die Anwältin.

Zehn Kinder im Personalausweis der Frau eingetragen
Die Frau, bei der Maria entdeckt wurde, besaß Medienberichten zufolge zwei gültige Personalausweise und zwei Familienstammbücher. In denen waren insgesamt zehn Kinder eingetragen, was weitere Fragen aufwirft: Laut den Stammbüchern hätte die Frau drei Kinder innerhalb von fünf Monaten und drei weitere innerhalb von dreieinhalb Monaten zur Welt gebracht haben müssen.

Der Mann führte ein weiteres Stammbuch mit noch einmal vier Kindern. Auf diesen Kindersegen angesprochen, sagte die Anwältin des Paares im TV, dass solche illegalen Praktiken der Erschleichung von Kindergeldern dienten.

Fall weckt neue Hoffnung bei Maddies Eltern
Die Entdeckung des Mädchens, das in die Obhut einer Wohlfahrtsorganisation übergeben wurde, gibt auch den Eltern der vermissten Britin Madeleine McCann neue Hoffnung, sagte der Sprecher der Familie der britischen Zeitung "Daily Mirror".

Gerry und Kate McCann suchen seit dem Verschwinden ihrer damals dreijährigen Tochter im Mai 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal nach ihr. Die McCanns starteten diese Woche mit einer groß angelegten Medienkampagne einen neuen Anlauf für die Suche nach Maddie (siehe Infobox).

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