16.10.2013 10:12 |

"Passiert jeden Tag"

Portugiesen von Maddies Schicksal nicht berührt

Die neuen Entwicklungen im Fall des vor mehr als sechs Jahren in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine McCann lassen viele Menschen in dem Land am Tejo kalt. Auch die meisten Medien berichten eher knapp und emotionslos über die neuen Erkenntnisse von Scotland Yard. Und speziell an der Algarve reicht es schon, den Namen des Mädchens auszusprechen, um die Menschen in Rage zu versetzen.

"So viele Kinder verschwinden tagtäglich, wieso wird ausgerechnet um diesen Fall so viel Aufhebens gemacht?", sagt etwa die 72-jährige Pensionistin Clara und fasst damit zusammen, was viele denken. "Hier haben wir eine Krise und viele hungern." Andere Portugiesen sagen kurz angebunden und gleichgültig: "Das interessiert mich eigentlich überhaupt nicht."

Ex-Chefermittler ortet "nur eine Publicity-Kampagne"
Lautere Töne schlägt - wieder einmal - der unter nie ganz geklärten Umständen entlassene frühere Chefermittler Goncalo Amaral an: "Das ist nichts Neues. Das ist meiner Meinung nach nur eine neue Publicity-Kampagne mit dem Zweck der Fehlinformation und der Vergiftung, nichts weiter", sagte der 54-Jährige gegenüber portugiesischer Medien.

Der Mann, der das umstrittene Buch "Maddie: Die Wahrheit über die Lüge" schrieb und der davon überzeugt ist, Madeleine sei tot und die Eltern hätten etwas damit zu tun, sagte, die McCanns wollten einfach nur die Behörden täuschen und beeinflussen. So lange der Prozess in Portugal nicht wieder eröffnet werde, bleibe unklar, was wirklich geschehen sei, so Amaral.

Gereizte Stimmung und Wut an der Algarve
An der Algarve, wo Maddie am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Luxus-Ferienanlage in Praia da Luz verschwand, ist die Stimmung seit jeher gereizt. Dort wurden Madeleine-Plakate schon mal abgerissen und beschmiert, die Eltern wurden bei Besuchen ausgebuht. Ein Priester verwehrte Vater Gerry die Teilnahme an einer Messe.

Nicht nur der verletzte Nationalstolz und das Gefühl einer ungerechten Behandlung nähren die Wut der Südportugiesen. In Krisenzeiten schmerzen in dem auf Touristen angewiesenen Land auch die wirtschaftlichen Folgen. "Das Image Portugals und der Algarve wurde durch den Fall zweifellos in Mitleidenschaft gezogen", sagte vor einiger Zeit der Bürgermeister von Lagos, Julio Barroso.

Polizei will sich zu neuen Ermittlungen nicht äußern
Auf Anfrage der Zeitung "Publico" vom Dienstag wollte die portugiesische Kriminalpolizei die neuen Entwicklungen nicht kommentieren. Die Behörde teilte lediglich mit, eine sechsköpfige Beamtengruppe aus Faro im Süden des Landes ermittle auf Antrag der britischen Polizei seit über einem Monat. Diese Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen worden und deshalb habe man Scotland Yard auch noch keinen Bericht geschickt. Zudem mache die Polizei in Porto auf Bitte der Briten neue Analysen alter Beweisstücke, hieß es.

Aber Ex-Ermittler Amaral bleibt skeptisch. Das alles seien keine echten Ermittlungen, "nur Neubewertungen", da der Fall in Portugal auch auf Wunsch der damals verdächtigen Eltern zu den Akten gelegt worden sei. Die McCanns seien einfach nicht daran interessiert, dass die Wahrheit ans Licht komme, behauptet Amaral.

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