02.08.2013 14:51 |

Nach Minenunglück

Chile: Keine Entschädigung für die 33 Kumpel

70 Tage lang waren 33 Bergleute in der Atacama-Wüste in Chile unter Tage gefangen - für den Einsturz in der Kupfermine im Jahr 2010 wird aber niemand zur Verantwortung gezogen. Die chilenische Staatsanwaltschaft hat ihre dreijährigen Ermittlungen am Donnerstag abgeschlossen, ohne Anschuldigungen zu formulieren. Dafür gebe es nicht genug Gewissheit über das Unglück, erklärte die Behörde.

Die 33 Männer waren nach ihrer Rettung am 13. Oktober als Helden gefeiert worden. Sie hatten gemeinsam in Ungewissheit und Hunger in 700 Metern Tiefe ausgeharrt - in den ersten 17 Tagen völlig ohne Kontakt zur Außenwelt und mit äußerst knapper Verpflegung. Wochenlang hatten Rettungskräfte dann den Kontakt zu den Verschütteten gehalten, bevor sie sie an die Erdoberfläche bringen konnten.

Jobverlust, Beschwerden, Alkohol und Drogen
In den darauf folgenden Wochen und Monaten erhielten die Kumpel sogar bezahlte Reisen nach Griechenland, Spanien sowie Disneyworld in Florida. Doch der Ruhm der Bergleute versickerte nach einiger Zeit ebenso wie auch das Geld. Manche von ihnen klagten über physische und psychische Beschwerden, viele verfielen dem Alkoholismus oder begannen, Drogen zu nehmen.

Eine neue Anstellung zu finden, sei immer schwerer geworden, wie einer der Kumpel damals gegenüber der Nachrichtenagentur AP meinte. "Die meisten Minenbetreiber haben Angst, weil sie glauben, dass wann auch immer ein Problem auftauchen sollte, sofort alle davon Wind bekämen, weil wir im medialen Rampenlicht stehen."

Die am Donnerstag eingestellten Ermittlungen sollten eine eventuelle Mitschuld der Minenbesitzer Marcelo Kemeny und Alejandro Bohn prüfen. Das Bergwerk war ein Jahr vor dem Unglück nach einem tödlichen Unfall eines Arbeiters vorübergehend geschlossen, nach einer staatlichen Prüfung jedoch wieder für den Betrieb zugelassen worden.

Senatorin: "Das ist extrem schmerzhaft"
Die sozialistische Senatorin Isabel Allende bedauerte: "Es ist extrem schmerzhaft, dass es keine Verantwortlichkeit für die Minenbesitzer gibt, die fahrlässig handelten, weil die Mine Probleme hatte." Fassungslos zeigte sich auch der ehemalige Bergbauminister Laurence Golborne, der die Rettungsoperation im Jahr 2010 geleitet hatte. Die Betreiber der jahrhundertealten Mine seien demnach bereits vor dem Unglück von den Behörden aufgefordert gewesen, eine Notfallstiege einzubauen. Doch dieser Aufforderung sei nicht gefolgt worden. Hätte es eine Rettungsstiege gegeben, hätten die Bergleute nicht so lange unter der Erde ausharren müssen, erklärte Golborne im chilenischen Radiosender Cooperativa.

Minenopfer: "Bin erzürnt über diese Entscheidung"
Bei den Unglücksopfern herrschte Verbitterung und Wut. "Es wird Zeit, in diesem Land die Wahrheit zu erzählen, über den ganzen Schmerz, den sie uns zugefügt haben", sagte der betroffene Minenarbeiter Mario Sepulveda der Zeitung "El Mostrador". Dass sie Millionäre seien, dass man sie entschädigt habe - dies sei "alles falsch, alles Lüge". "Ich bin erzürnt über diese Entscheidung", meinte Omar Reygadas, ein weiterer Minenarbeiter, der seit dem Zwischenfall ohne Arbeit ist.

Doch die Kumpel betonen, dass es ihnen nicht um Geld gehe. Vielmehr wollen sie Gerechtigkeit. Die Anwälte der Bergleute werden nun nach eigenen Angaben die genauen Hintergründe für die Entscheidung des Richters studieren und danach ihre Sicht der Dinge darstellen. Außerdem sei bereits eine Zivilklage eingereicht worden, mit der man Entschädigungszahlungen erreichen möchte.

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