Pleitenserie im Handel

So viele zugesperrte Geschäfte wie noch nie

Wirtschaft
26.02.2025 17:56

Leere Schaufenster statt Shopping-Spaß heißt es in immer mehr heimischen Städten. Bis zu 15,6 Prozent der Geschäfte sind geschlossen, so viele wie noch nie! Nur mehr 39 Prozent der Händler erwarten heuer einen Gewinn. Weniger Bürokratie und eine Sperre der China-Onlinehändler könnte die rot-weiß-rote Branche noch retten.

Es ist jetzt „Schluss mit lustig, wir müssen an etlichen Schrauben drehen, sonst gehen die Innenstädte krachen“, warnt Hannes Lindner, Chef des Beraters Standort+Markt, vor einer Verödung der Ortskerne. In seiner Analyse der 20 größten sowie 16 kleineren Städten zeigt sich ein massiver Anstieg der Leerstände. Im Schnitt sind es in den großen Gemeinden 5,5 Prozent, bei den kleinen sogar 15,6 Prozent, ein weiterer Zuwachs von 0,7 Prozentpunkten. „Das ist ein absolut besorgniserregendes Niveau“, ergänzt Handelsverbands-Chef Rainer Will.

Handels-Berater: „Langsam geht uns der Schmäh aus“
Corona, drastische Kostensteigerungen bei Mieten, Energie und Löhnen, die schwache Konsumlaune sowie der Boom von Internethändlern haben zu einer Pleitewelle geführt. Zuletzt sperrten z. B. Leiner,  Pepco, Esprit und Görtz zu, andere wie Palmers verringern die Zahl ihrer Standorte. In den letzten Jahren zogen noch viele Gastro-Betriebe als Auffanglösung in frühere Geschäftsflächen ein, doch das sei nun auch fast ausgereizt, so Lindner. „Langsam geht uns da der Schmäh aus. Es ist auch die Frage, wie viele Arztpraxen und andere Dienstleister wir noch in den Erdgeschoßzonen brauchen.“ 

Folge ist, dass de facto bereits seit 2018 die Gesamtfläche im Handel sinkt.  Im Vorjahr gab es nur durch eine größere Eröffnung in Wien-Meidling (Vio Plaza) auf dem Papier einen Mini-Zuwachs, doch der Trend zeigt klar nach unten. Vor allem der Modebereich „ist teilweise weggestorben, seit 2014 sind da 123.000 Quadratmeter weggefallen, das sind 20 Prozent“, rechnet Experte Lindner vor. Mode ist zwar mit 26,2 Prozent aller Flächen stärkste Handelsbranche, vor Jahren spielte sich das Geschäft allerdings noch auf einem Drittel der Flächen ab. 

Hannes Lindner, Standort+Markt: „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon zwölf Uhr.“
Hannes Lindner, Standort+Markt: „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon zwölf Uhr.“(Bild: Peter Tomschi)

Der Teufelskreis aus weniger Geschäften, daher weniger Attraktivität der Innenstädte für Kunden samt weiteren Umsatzrückgängen müsse durchbrochen werden. Wichtig sind Konsumenten laut Umfragen etwa öffentliche Toiletten, Ruhezonen, Sauberkeit, Sicherheit und gute Erreichbarkeit – auch mit dem Auto.

Dazu müsse es endlich deutliche Entlastungen für die heimischen Geschäftsleute geben, drängt Handelsverbands-Chef Will. Denn: „Es geht um 107.000 Arbeitsplätze. Nur 39 Prozent der Händler erwarten heuer einen Gewinn, 18 Prozent wollen Standorte schließen.“

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Konkret brauche es eine kompromisslose Entbürokratisierung, Senkung der Lohnnebenkosten. Will weiß: „Mit 32 Prozent auf den Bruttobezug sind wir Spitze in Europa.“ Auch die Abschaffung der Mietvertragsgebühr könnte helfen. Und man müsse endlich gegen die Internetshops aus China vorgehen. Geschätzte 1,5 Milliarden Euro gaben wir 2024 bei Shein und Temu aus, obwohl sich diese weder an Gesundheits- noch andere Standards halten.

Sperre für Shein und Temu wegen Gesundheitsgefährdung?
Will warnt Konsumenten: „Da bekommen sie Schuhe mit dem zehnfachen Bleiwert, der in der EU erlaubt ist, und der über das Leder in den Körper geht.“ Entweder müssten die Pakete genauer kontrolliert oder aber die China-Shops zeitweise gesperrt werden. „Sie sind Wiederholungstäter, nach der Digital-Richtline der EU wäre eine Strafe von sechs Prozent ihres Weltumsatzes möglich.“ Eine Sperre sei möglich, Frankreich habe das bereits vor Jahren einmal gegen Wish durchgesetzt. 

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