25.07.2013 19:22 |

"Gesunde Ohrfeige"

Offener Brief von Jugendanwältin an Baumgartner

"Ich bin für eine gesunde Ohrfeige, wenn's sein muss." Mit diesem Sager hat Extremsportler Felix Baumgartner am Mittwoch für Aufregung gesorgt. Am Donnerstag reagierte die Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits in einem offenen Brief entrüstet: "Eine Watsche ist alles andere als gesund, sie kann Kinder unter Umständen krank machen", betonte Pinterits. Zugleich wies die Juristin darauf hin, dass Gewalt an Kindern in Österreich seit 1989 verboten ist.

"Wie leider viele andere Erwachsene auch, versuchen Sie diese Gewalt, die Ihnen als Kind zugefügt wurde, zu bagatellisieren", schrieb Pinterits an Baumgartner. Leider seien im Bewusstsein vieler Erwachsener Sätze wie "eine Watsche hat noch niemandem geschadet", "Kinder betteln darum" oder "was ich mit meinem Kind tue, ist allein meine Sache" verankert.

Voting in der Infobox: "G'sunde Watschn" - hat Baumgartner recht?

"Eltern setzen auch heute noch viel zu oft leichte Schläge als Erziehungsmittel ein - wer jedoch Ohrfeigen in manchen Fällen für angebracht hält, rechtfertigt möglicherweise auch härtere Gewalt in Ausnahmefällen, wenn das Kind besonders 'schlimm' war", betonte die Kinderanwältin.

"Kinder haben das Recht, ohne Gewalt aufzuwachsen"
Laut einer Studie geben 55 Prozent der 16- bis 20-Jährigen an, körperliche Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend erlebt zu haben, die Hälfte aller Eltern bekennt sich dazu, "leichte Formen der Gewalt als Erziehungsmaßnahmen" anzuwenden. Pinterits appellierte: "Als Extremsportler sind Sie durch Ihren Sprung aus der Stratosphäre weltweit bekannt geworden und haben als öffentliche Person auch eine Verantwortung. Gewalt - und dazu gehören Schläge jeder Form - ist kein Mittel, das gegenüber Kindern anzuwenden ist. Kinder haben Rechte und ein elementares Recht ist, ohne Gewalt aufzuwachsen."

Baumgartner über Kinder: "Im echten Leben versagen sie"
Die Aussagen Baumgartners waren in einem von der Zeitschrift "Bunte" moderierten Gespräch zwischen dem Extremsportler und dem deutschen Musikproduzenten Harold Faltermeyer gefallen. Wörtlich wird Baumgartner in dem Bericht so zitiert: "Die Kids und Jugendlichen hängen an Computerspielen, ballern rum, knallen ab. Jeder ist ein Held, aber im echten Leben versagen sie. Ein Kind kann nicht einmal mehr einen Ball fangen, den du ihm zuschmeißt."

Baumgartner weiter: "Keinen Respekt vor dem Alter hat die Jugend, nicht einmal für eine schwangere Frau stehen die im Bus auf. Ich bin übrigens auch für die gesunde Ohrfeige, wenn's sein muss. War bei meinem Vater nicht anders." Zudem betonte Baumgartner, die Politiker in seiner Wahlheimat Schweiz würden "uns" nicht zu Tode reglementieren. Als Beispiel sagte er wörtlich: "In meinem Lieblingslokal steht ein glühend heißer Ofen mit offenem Feuer. Wenn ein Kind sich mal die Pratzen verbrennt, hat es für den Rest des Lebens kapiert, dass man nicht mit dem Feuer spielen soll."

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