25.07.2013 11:56 |

PISA-Sonderstudie

Mädchen und Reiche bei Noten bevorzugt

Österreich und die PISA-Studie – nicht gerade eine Erfolgsgeschichte und nun um ein weiteres Kapitel reicher: Unser Land schneidet nämlich bei einer Sonderauswertung wieder einmal besonders schlecht ab. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Leistungen und Noten der Schüler. In allen OECD-Ländern bekommen Mädchen und Schüler mit einem höheren wirtschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Status entgegen ihrer tatsächlichen Leistung tendenziell bessere Noten als ihre Kollegen. Österreich landete auf Platz 13 von 15.

34 Staaten nahmen 2009 an den PISA-Tests zur jeweiligen Landessprache teil. In etwas mehr als der Hälfte der Teilnehmerstaaten wurden zudem neben den Tests auch Fragebögen verteilt, in denen die Schüler angeben mussten, welche Note sie in der vorherigen Klasse im Testsprachenfach (in Österreich Deutsch) erhalten hatten.

Dabei zeigte sich, dass es in keinem der 15 Länder bzw. Schulsysteme mit vergleichbaren Daten (Macao, Mexiko und Neuseeland wurden ausgeklammert) einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Note "Nicht Genügend" (oder anderen Nichtbestehensnoten) und dem Ergebnis bei der PISA-Testung gab. Österreich schneidet besonders schlecht ab, nur in Singapur und der flämischen Gemeinschaft Belgiens ist die Korrelation noch geringer.

Ähnliche Ergebnisse bereits beim Wiener Lesetest
Ein ähnlicher Befund wurde bereits in einer Sonderauswertung des Wiener Lesetests gemacht, allerdings für die Altersgruppe der Zehnjährigen. Dabei zeigte sich, dass jeder fünfte Wiener Volksschüler in Deutsch mit "Sehr Gut" (drei Prozent) oder "Gut" (17 Prozent) benotet wurde, obwohl er laut der Erhebung massive Probleme beim Lesen hatte.

Auch in Österreich werden Mädchen und wirtschaftlich und gesellschaftlich bessergestellte Schüler tendenziell besser benotet, als es der Leistung entsprechen würde. Bei Mädchen bilden hier laut der Studie lediglich Island, Portugal und Trinidad Tobago Ausnahmen, in Polen und der Slowakei hingegen werden Mädchen sogar noch weit häufiger besser benotet als ihre Mitschüler mit vergleichbaren Leistungen. Reiche Schüler wiederum erhalten nur in Belgien und Kroatien bei vergleichbarer Leistung gleiche Bewertungen. Für die OECD deutet dies daraufhin, dass bei Noten nicht nur der Lernerfolg ausschlaggebend ist.

OECD: Vergleich der Leistung für Schüler leichter
Die Organisation warnt daher in der Sonderauswertung vor möglichen weitreichenden und langfristigen Folgen dieser Praxis: Immerhin würden die Schüler ihre Erwartungen in Bezug auf ihre weiterführende Bildung und den späteren Beruf auf Noten stützen. Gleichzeitig selektiert das Schulsystem selbst mittels Noten jene Schüler, die an weiterführende Schulen und in der Folge an Hochschulen gehen.

Positiv hervorgehoben wird hingegen, dass in Österreich durch das einfache Benotungssystem (lediglich 1-5, Anm.) die Schüler ihre Leistungen besser mit ihren Mitschülern vergleichen können, als dies in Ländern mit komplizierteren Bewertungsmethoden der Fall ist.

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