19.07.2013 16:59 |

"Tochter schrie"

Wanderer im Tiroler Ötztal durch Steinschlag getötet

Todesdrama am Stuibenfall im Tiroler Ötztal: Gerade als eine Familie aus Hamburg auf dem vermeintlich harmlosen Wanderweg abstieg, lösten sich 30 Meter über ihr gewaltige Gesteinsmassen ab. Der Familienvater Gerd B. (59) hatte keine Chance und starb vor den Augen seiner Frau (52) und Tochter (23), die überlebten. Zerbröseln unsere Berge nun als Folge des Klimawandels?

Der Stuibenfall ist mit 158 Metern Fallhöhe der höchste Wasserfall Tirols, der in zwei Kaskaden zu Tal stürzt. Direkt daneben führt ein Wanderweg mit Aussichtsplattformen empor, der an schönen Tagen von Hunderten Menschen genutzt wird. Am Donnerstag zu Mittag war die Familie aus Deutschland, die in Sölden ihren Urlaub verbringen wollte, auf diesem als harmlos geltenden Steig unterwegs.

"Tochter sah Felssturz und schrie"
Beim Abstieg - nach kurzer Rast auf einer Seehöhe von rund 1.450 Metern - dann das Drama: Der Mann ging voraus, drei Meter hinter ihm die Tochter und einen weiteren Meter dahinter seine Frau. "Die Tochter hörte ein Poltern und Krachen, sah den Felssturz und schrie. Sie konnte noch ein paar Schritte zurücklaufen, ihr Vater wurde getroffen. Er hatte keine Chance", berichtet ein Alpinpolizist.

In Umhausen, wo man beim Aufstieg zum Stuibenfall am Ötzi-Dorf vorbeigeht, ist die Bestürzung groß. Bürgermeister Jakob Wolf: "Der Schock sitzt tief. Der Steig wird zumindest einmal in der Woche von Mitarbeitern des Tourismusverbandes begangen und auf seine Sicherheit überprüft. Rein gar nichts deutete auf einen möglichen Felssturz hin."

Ganzer Berg ist in Bewegung
Laut Werner Thöny, Geologe des Landes Tirol, könne man nicht genau sagen, was das Unglück ausgelöst hat. Das Ereignis, bei dem sich rund 50 Kubikmeter Gestein gelöst haben, sei auch nicht vorhersehbar gewesen.

Der Steig könne laut dem Experten auch mit Sicherheit nicht mehr geöffnet werden. "Klüfte zeigen, dass der Berg in Bewegung ist. Die Berge zerbröseln durch den Klimawandel, zudem sorgt die Durchfeuchtung für kritische Verhältnisse." Auch wenn Wege bestens gesichert sind – "die Natur tut, was sie will".

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