08.07.2013 20:26 |

Vor dem Gezi-Park

Verletzte bei neuen Zusammenstößen in Istanbul

In der türkischen Metropole Istanbul ist die Polizei am Montagabend erneut gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Dabei setzten die Sicherheitskräfte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschoße ein, um die Menschen zurückzudrängen, die vom Taksim-Platz in den Gezi-Park gelangen wollten. Laut Augenzeugen gab es mehrere Verletzte. Der Streit um ein Bauprojekt auf dem Gelände des Parks war der Auslöser der seit Wochen andauernden Proteste in der Stadt am Bosporus.

Einige Demonstranten errichteten am Donnerstag Barrikaden auf der Einkaufsstraße Istiklal Caddesi, die zum Taksim-Platz führt. Die Protestierenden bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen und schossen auch mit Steinschleudern auf die Einsatzkräfte. Nach Angaben der Behörden wurden mehr als 80 Demonstranten festgenommen.

Vor den erneuten Zusammenstößen hatte es ein Verwirrspiel um den Park gegeben: Wenige Stunden nach dessen Wiedereröffnung durch Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu riegelte die Polizei das vor drei Wochen gewaltsam geräumte Areal wieder ab. Mutlu hatte bei der Eröffnung lokalen Medienberichten zufolge erklärt, illegale Versammlungen im Park würden nicht geduldet. Mit Blick auf das Protestbündnis "Taksim Solidarität" fügte er hinzu, der Park gehöre nicht einzelnen Gruppen, sondern allen Menschen in Istanbul.

Gezi-Park als Symbol für die landesweiten Proteste
Der Gezi-Park ist zum Symbol für die landesweiten Proteste in der Türkei geworden. Sie hatten sich an Regierungsplänen entzündet, eine der letzten Grünflächen im Stadtzentrum zu bebauen, und dauern seit Ende Mai an. Inzwischen richten sich die Proteste vor allem gegen den autoritären Regierungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Zuletzt war die Polizei in Istanbul am Samstag mit Wasserwerfern und Tränengas massiv gegen Tausende Demonstranten vorgegangen, die zum Gezi-Park gelangen wollten.

Bei den wochenlangen Protesten war die Polizei mit aller Härte eingeschritten. Drei Demonstranten und ein Polizist kamen bei den Zusammenstößen ums Leben, zudem wurden rund 8.000 Menschen verletzt. Nach Schätzungen der Polizei haben sich bisher etwa 2,5 Millionen Menschen in 80 türkischen Städten an den Demonstrationen beteiligt.

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