08.07.2013 10:17 |

Unruhen in Ägypten

Muslimbrüder: 51 Anhänger bei Sitzprotest getötet

Bei einer Schießerei in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind Montag früh nach Angaben des Staatsfernsehens 51 Anhänger der Muslimbrüder getötet worden. Auf sie sei bei einer Sitzblockade vor einer Militäreinrichtung geschossen worden, sagte ein Sprecher der Gruppe. Der Vorfall ereignete sich vor jenem Gebäude, in dem der gestürzte Präsident Mohammed Mursi festgehalten wird.

Die unbewaffneten Anhänger der islamistischen Vereinigung seien beim Gebet erschossen worden, sagte ein Sprecher. Die Armee berichtete im staatlichen Fernsehen dagegen von einem Angriff einer "terroristischen Gruppe" auf das Gebäude. Dabei sei ein Offizier getötet und 40 Soldaten verwundet worden. Insgesamt wurden bei den Zusammenstößen rund hundert Menschen verletzt. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst, hieß es seitens der behandelnden Ärzte.

Davor war es erneut zu Großdemonstrationen von Gegnern und Anhängern Mursis gekommen. Hunderttausende Ägypter gingen am Sonntagabend in Kairo und Alexandria auf die Straßen. Die Kundgebungen verliefen größtenteils friedlich.

Wirtschaftsjurist soll Übergangspremier werden
Auf politischer Ebene gibt es unterdessen einen neuen Favoriten für den Posten des Übergangsministerpräsidenten: Ein Berater von Interimspräsident Adli Mansour, Ahmed al-Muslimani, sagte am Sonntagabend dem Fernsehsender ONTV, dass der Wirtschaftsjurist Siad Bahaa Al-Din "sehr wahrscheinlich" ernannt werde. Darauf hätten sich die Gruppierungen, die hinter der Entmachtung Mursis stehen, geeinigt.

Der 48-jährige al-Din ist der Sohn eines bekannten Anwalts und hat für verschiedene Unternehmen gearbeitet, unter anderem in der US-Hauptstadt Washington. 1997 wurde er Berater im ägyptischen Wirtschaftsministerium. Er war zurückgetreten, bevor Langzeit-Präsident Hosni Mubarak gestürzt wurde, und trat erst nach dem Sturz Mubaraks 2011 in die aktive Politik ein.

Salafisten nicht mehr verhandlungsbereit
Ob al-Din tatsächlich zum Übergangspremier ernannt wird, ist nach den Vorfällen von Montag früh allerdings fraglich. Die einflussreiche salafistische Nur-Partei hat sich als Reaktion auf das "Massaker" aus den Verhandlungen über eine Übergangsregierung zurückgezogen, erklärte Parteisprecher Nader Bakkar.

Die Gruppierung hatte bereits am Sonntag die Ernennung von Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei zum Chef einer Übergangsregierung blockiert. Al-Muslimani brachte ElBaradei unterdessen als möglichen Vizepräsidenten ins Gespräch.

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