„Salzburg-Krone“-Chefredakteur Claus Pándi über die politisch turbulenten Zeiten im Bund und im Land Salzburg.
Vor einigen Nächten hatte ich einen Albtraum. Durch den Traum geisterte Österreichs neue politische Elite. Da tauchten an der Seite von Kanzler Kickl aus dichtem Nebel Christian Hafenecker, Michael Schnedlitz, Susanne Fürst, Dagmar Belakowitsch, Gerhard Karner, Klaudia Tanner, Martin Polaschek und Claudia Plakolm als Ministerinnen und Minister auf.
Vielleicht hatte Wilfried Haslauer rund um den Jahreswechsel ähnliche Vorahnungen. Oder er wusste sogar schon, dass es genau so kommen könnte. Nach den Nationalratswahlen und den gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ und den Neos ist die ÖVP jedenfalls an einem Tiefpunkt ihrer Geschichte angekommen. Gedemütigt und geschwächt fügen sich die Bürgerlichen ihrem Schicksal. „Verantwortung zu übernehmen“, ist das neue „Ich habe nur meine Pflicht getan“.
Die Sitten verwildern, die Prinzipien sind obdachlos: Von der Republik Österreich, wie wir sie kannten, müssen wir wohl Abschied nehmen.
Und so ist es Haslauer nicht zu verdenken oder gar zu verübeln, wenn er einfach nicht mehr will. Was auf die ÖVP zukommt, sind Jahre ohne Glanz. Im besten Fall.
Zuletzt wirkte Haslauer immer mehr aus der Zeit gefallen. Ein feiner Herr aus bestem Hause, der in der neuen Welt lieber in der Welt von gestern zu verharren beliebte. Der Bildungsbürger mit blendenden Manieren in stets tadelloser Garderobe, dessen Büroadresse den Namen seines Vaters trägt, fand sich im turbulenten Universum der modernen Medien nicht mehr zurecht. Wie zum letzten Beweis für dieses Unverständnis ließ er sich unlängst mit „Salzburg On“ sogar auf die Gründung eines Propagandakanals der Landesregierung mit öffentlichen Mitteln ein. Mangel an Zuspruch lässt sich nicht simulieren. Politik muss begeistern können. Auch wenn ihm elegante Finten nicht fremd sind, war das nie die Stärke des nun abtretenden Landeshauptmanns. Und das darf im Zeitalter des Turbopopulismus als Kompliment verstanden werden.
Wilfried Haslauer spürte schon seit längerem, dass er nicht mehr der richtige Mann am richtigen Platz ist.
Und der sensible Familienmensch Stefan Schnöll haderte schon seit Monaten mit seiner Rolle des künftigen Landeshauptmanns.
Karoline Edtstadler ist in dieser Lage von außen betrachtet also die richtige Wahl. Jung, entschlossen, gebildet und bemerkenswert kaltblütig, wenn es darauf ankommt. Sie hat die besten Voraussetzungen für die erste Frau im Land Salzburg – und sie wird in dieser Rolle wohl auch rasch die Führung in der derzeit kopflos dahin stolpernden ÖVP auf Bundesebene übernehmen.
Edtstadlers Aufstieg ist ein unerwarteter Dämpfer für das im totalen Siegesrausch befindliche System Kickl in Wien und den Bundesländern. Mit Edtstadler wächst jetzt in Salzburg eine politische Kraft heran, die der FPÖ die Grenzen des Wachstums zeigen könnte. Freilich wird auch Karoline Edtstadler ihre bisweilen überschäumende Energie noch besser regulieren müssen. Das ist allerdings in der Situation, in der sich das gesamte Land derzeit befindet, ein vergleichsweise kleines Problem.
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