Der scheidende Tiroler LHStv. Georg Dornauer lud in dieser Funktion zur vorletzten Pressekonferenz. Eine Studie der Uni Innsbruck befasste sich mit dem Wohnraum. Brisant: 100.000 Wohnung in Tirol sind ohne eine Hauptwohnsitzmeldung.
Zu seiner vorletzten Pressekonferenz als erster Stellvertreter des Landeshauptmannes lud am Dienstag Georg Dornauer (SPÖ). Wie berichtet, wird er nach der Benko-Jagdaffäre am Mittwoch von seinem Amt zurücktreten. Eine Bilanz-Pressekonferenz ist für den Mittag anberaumt.
Am Dienstag präsentierte Dornauer zusammen mit Christian Obermayr von der Universität Innsbruck die Wohnbedarfsstudie Tirol 2024-2033. Ein Jahr lang hat ein mehrköpfiges Team der Uni daran gearbeitet. Kostenpunkt: 77.000 Euro.
Mehr als 100 Seiten mit Daten und Fakten
Die zentralen Fragen, denen nachgegangen wurde: Welche Herausforderungen und gesellschaftlichen Trends haben Auswirkungen auf den Wohnungssektor in Tirol? Wie sieht der aktuelle und zukünftige Wohnbedarf in den Bezirken aus? Und wie viele Wohnungen müssen in den kommenden Jahren gebaut werden, um bedarfsgerecht zu handeln? Die Studie umfasst über 100 Seiten und kann für Interessierte auch online auf der Homepage der Uni oder des Landes abgerufen werden.
Im Zuge der Dorferneuerung wird die Sanierung von altem Baubestand und die Nachverdichtung seit Jahrzehnten forciert und umgesetzt.

Georg Dornauer
Bild: Johanna Birbaumer
100.000 Wohnungen sind ohne Hauptwohnsitz
Die wichtigsten Ergebnisse: Insgesamt gibt es derzeit rund 440.000 Wohneinheiten in Tirol. Was besonders ins Auge sticht: „Knapp 100.000 Wohnungen sind ohne Hauptwohnsitzmeldung, was rund 22,6 Prozent aller Wohnungen entspricht. Von diesen 100.000 Wohnungen haben nur rund 24.000 zumindest eine Nebenwohnsitzmeldung“, rechnet Obermayr vor.
Mögliche Gründe für die rund 76.000 Wohnungen ohne jegliche Meldung sind laut dem Experten, dass „es Altlasten im Register sind, Freizeitwohnsitze oder Ferienwohnungen sind, es sich um Leerstand handelt, die Wohnung als Umzugsreserve dient, es sich um eine Investition handelt, sie für die spätere Eigennutzung geplant ist oder bewohnt, aber nicht gemeldet ist“.
Weiters zeigt die Studie, dass bis zum Jahr 2033 rund zusätzliche 35.000 Wohnungen benötigt werden, um den Wohnbedarf zu decken. Pro Jahr sind es also knapp 3900 Wohnungen. „Angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren pro Jahr rund 7000 Wohnungen gebaut wurden, hat mich diese Zahl sehr überrascht“, räumt Dornauer ein.
Wohnpolitische Strategien müssen auf die jeweiligen regionalen Gegebenheiten zugeschnitten werden. Nachhaltigkeitskriterien müssen dabei berücksichtigt werden.

Christian Obermayr
Bild: Johanna Birbaumer
Studie gibt auch fünf Handlungsempfehlungen
Der scheidende LHStv., der übrigens nichts von einer Hauptwohnsitzpflicht hält, unterstreicht die Wichtigkeit von fünf Handlungsempfehlungen, die in der Studie definiert wurden:
„Studie nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie steht“
Laut Dornauer arbeite die Landesregierung an der Erhebung und Mobilisierung von Leerstand. „Und mit der Wohnbauförderung werden die Tirolerinnen und Tiroler gezielt unterstützt.“
Noch während der Präsentation hagelte es schon Kritik. Zeliha Arslan von den Grünen meint in einer Aussendung, dass „die Ergebnisse eine teure Farce sind. 77.000 Euro Steuergeld wurden verbrannt, um Ergebnisse zu präsentieren, die längst jedem klar sind: Tirol braucht leistbaren Wohnraum. Die Studie ist nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie steht“.
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