Bei 1200 Grad werden die Glas-Skulpturen der Familie Kuchler geformt. Nicht nur in ganz Europa, auch in den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden die Kunstwerke aus Weigelsdorf mittlerweile geschätzt.
Es ist ein glitzerndes Schauspiel, wenn sich das Licht in sieben Millionen Glasmosaiksteinen bricht und spiegelt, welche die Fassade der Gläsernen Burg in Weigelsdorf, Bezirk Baden, zieren. Dahinter öffnet sich eine Welt faszinierender Glaskunst, die Hilde Kuchler in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen hat.
Grundstein für die Glaswelt
Ihren Werdegang hat die Künstlerin (80) einer schicksalhaften Begegnung in jungen Jahren zu verdanken. Auf dem Weg nach Wiener Neustadt lernte sie damals einen Glaserlehrling kennen – ihren Ehemann Peter, der 1966 eine Glaserei in Weigelsdorf eröffnete. Damit war der Grundstein für die heutige Glaswelt der Kuchlers gelegt, die mittlerweile Österreichs größtes Glasmuseum sowie mit der Gläsernen Burg eines der beliebtesten Ausflugsziele des Landes beherbergt.
Kunstsinn weitervererbt
Hilde Kuchler hat die Geheimnisse ihrer Glaskunst bereits an Sohn Peter jun. und Enkel Peter weitergegeben. Vor allem die dritte Generation hat die Kombination aus Glasbläserei und Bildhauerei weiterentwickelt, sodass die Lichtexponate aus Weigelsdorf international gefragt sind – Werke von Hilde und Peter Kuchler findet man in ganz Europa, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Von den Besten gelernt
„Ich hatte die Möglichkeit, mit den besten Glasbläsern der Welt zu arbeiten“, betont der 33-jährige Enkelsohn der Glaswelt-Gründerin: „So konnte ich die Techniken der venezianischen, böhmischen und schwedischen Glaskunst vereinigen.“ Seine Exponate zeichnen sich durch die sorgfältige Anordnung der Farbschichten aus, die durch Metalloxide erzielt werden, welche er zwischen die Glasschichten einschmilzt.
Mancher Kraftakt ist nötig
Und obwohl die Kunstwerke mitunter sehr filigran wirken, ist für ihre Entstehung oft ein wahrer Kraftakt nötig. Denn wenn die Werkstücke aus dem 1200 Grad heißen Ofen gezogen werden, verdreifacht sich durch Hebelwirkung das Gewicht auf der sogenannten Glasmacherpfeife mitunter. Drei Personen und spezielle Techniken sind dann nötig, um die Arbeit zu Ende zu bringen.
Kulturerbe-Status für Glasmacherei
Obwohl Hilde Kuchler also ihr kreatives Erbe schon in jüngere Hände gelegt hat, hält die Leidenschaft für Glaskunst, die 80-Jährige weiter auf Trab. Sie bereitet Entwürfe für neue Kunstwerke vor, zeigt an Schulen, wie alte Tische oder Hocker mit Glasmosaiksteinen „aufgemöbelt“ werden und verfolgt mit viel Engagement ihr großes Anliegen: Für die Zunft der Glasmacher den Status als nationales, immaterielles Kulturerbe zu erlangen.
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