Exakt vor 100 Jahren, am 16. September 1924, eröffnete die erste Tankstelle Österreichs – mitten am Grazer Jakominiplatz, vor der heutigen Bäckerei Sorger. Sie hielt sich immerhin bis ins Jahr 1964. In den nächsten Wochen wird mit einer nostalgischen Zapfsäule an die Pionierzeit erinnert.
Nach einer großen Ausstellung im Volkskundemuseum ist nun das Buch „Mythos Tankstelle“ des Grazer Ethnologen Helmut Eberhart erschienen. In diesem wird nicht nur dokumentiert, dass Graz damals „wie in vielen anderen Angelegenheiten vorn dabei war“, wie der Bundesobmann des Energiehandels, Jürgen Roth, bei der Präsentation am Montag betonte.
„Boxenstopp“ auf dem Weg nach Triest
Vom einstigen „Boxenstopp zwischen Wien und Triest“ wurden Graz und die Steiermark seit dem EU-Beitritt zur „Logistik-Drehscheibe im Herzen Europas“, sagt Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Die Tankstellen wiederum wurden von reinen „Benzinabgabestationen“ zu Nahversorgern und sozialen Treffpunkten.
Ethnologe Eberhart, der bereits vor fünf Jahren mit seinen Studenten für die Ausstellung „Mythos Tankstelle“ im Volkskundemuseum verantwortlich war, hat nun in einem gleichnamigen Buch historische Bilder und Begebenheiten gesammelt und bietet einen Querschnitt durch die bewegte Geschichte des Tankens. Er spannt den Bogen „vom Treibstofflieferanten zum Dienstleister“ und beleuchtet den Werdegang zu einer gesellschaftlichen Institution.
40 Jahre als Provisorium überlebt
So kamen schon bald nach Eröffnung der allerersten Tankstelle des Landes am Jakominiplatz (weitere folgten bald am Lend- und am Griesplatz) erste kritische Stimmen auf. Bei der nahe gelegenen Konditorei Straff – in den heutigen Sorger-Räumlichkeiten beheimatet – fürchtete man aufgrund von Dämpfen und explosiven Stoffen ums Geschäft und mobilisierte eine frühe „Bürgerbewegung“, wie Eberhart erklärt. Immerhin wurde so ein geplanter Kapazitäts-Ausbau verhindert. Die von Ex-Rennfahrer Heinrich Haas und Kinobesitzer Karl Löffler betriebene Tankstelle, ursprünglich nur für zehn Jahre zugelassen, hielt sich dennoch bis zu ihrem Abriss 1964.
Die „Gedenk-Zapfsäule“, die nun samt Info-Tafel und Bodenmarkierung rund drei Wochen lang zu besichtigen ist, stammt freilich nicht mehr aus der Tank-Frühzeit, hat aber auch schon gut 50 Jahre auf dem Buckel und dürfte bei so manchem nostalgische Gefühle auslösen. Das begleitende Buch „Mythos Tankstelle“ ist ab sofort im Handel erhältlich.
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