Heftige Kritik an der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) übt Tirols Ärztekammerpräsident Stefan Kastner. Konkret nimmt er die Pläne von ÖGK-Obmann Andreas Huss unter Beschuss. Dieser hatte angekündigt, Frauengesundheitszentren einführen zu wollen, in denen Gynäkologinnen und Hebammen zusammenarbeiten.
Kastner bezweifelt, dass dieser Plan zu mehr Frauenärztinnen mit Kassenverträgen führen wird. Und er verweist darauf, dass es dazu auch eine Gesetzesänderung benötigen würde.
Kastner übt aber nicht nur Kritik, sondern liefert auch eine andere Lösung. Er spricht sich dafür aus, „die vorhandenen Strukturen in der Gynäkologie mit einfachen Mitteln rasch zu stärken“.
Vor allem junge Frauenärztinnen haben Hemmungen, den Anforderungen einer kassenärztlichen Ordination zu entsprechen.
Stefan Kastner
„Kürzere Öffnungszeiten und mehr Kassenstellen“
Denn die wöchentliche Mindestöffnungszeit von 22 Stunden mit dem zusätzlichen Aufwand für die Befunderstellung, die Arztbrieferstellung sowie die Administration seien „ein Hemmschuh. Vor allem junge Frauenärztinnen haben Hemmungen, den Anforderungen einer kassenärztlichen Ordination zu entsprechen“.
Der Präsident regt an, einerseits eine Reduktion der Mindestöffnungszeiten umzusetzen sowie die Anzahl der Kassenstellen aliquot zu erhöhen.
Es ist völlig undenkbar, neun Monate auf einen Untersuchungstermin zu warten, Interventionen müssen oft sehr kurzfristig passieren.
Hugo Lunzer
„Wegen Trägheit der ÖGK ein gebranntes Kind“
Indes sieht Fachgruppenobmann Hugo Lunzer bei der Debatte vor allem eine Patientinnengruppe besonders betroffen: „Schwangere sind eine besondere Klientel. Es geht um zwei Leben. Und es ist völlig undenkbar, neun Monate auf einen Untersuchungstermin zu warten, Interventionen müssen oft sehr kurzfristig passieren.“
Diesbezüglich sieht Kastner einen neuen Ansatz in Vorsorgeverträgen für Schwangere. Diese könnten nämlich auch mit Wahlärztinnen abgeschlossen und über die Krankenkasse abgerechnet werden.
Abschließend betont der Präsident, dass die Ärztekammer „wegen der Trägheit der ÖGK ein gebranntes Kind ist. Wir warten schon seit über einem Jahr auf einen Vertragsentwurf für ein Kinderprimärversorgungszentrum und die Umsetzung des Primärversorgungszentrums“.
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