Immer wieder kommen bei den olympischen Spielen neue Sportarten dazu. die Boule-Variante Pétanque schaffte es bisher noch nicht in den illustren Kreis. Warum, hat sich „Krone“-Kolumnist Harald Petermichl genauer angesehen.
Als Kaiser Theodosius I. im 4. Jahrhundert ein Verbot der Olympischen Spiele aussprach, weil es sich um einen „heidnischen Kult“ handle, hat er wohl nicht damit gerechnet, dass das damals überschaubare Sportfest auf Initiative eines französischen Pädagogen namens Pierre de Coubertin Ende des 19. Jahrhunderts fröhliche Urständ feiern und zahlreiche bis heute übernommene Traditionen entwickeln sollte. Die olympischen Ringe etwa, die von Spyros Samaras komponierte olympische Hymne, den Fackellauf, Dopingskandale oder fragwürdige Vergaben der Spiele durch das IOC. Eine weitere schöne Tradition ist jedoch 1996 verschwunden, nämlich das Austragen von Demonstrationswettbewerben, mit denen dem IOC neue Sportarten zur Aufnahme in das olympische Programm schmackhaft gemacht werden sollten.
Das hat bei einigen sehr gut funktioniert; so sind zum Beispiel Basketball oder Badminton vom Demo-Wettbewerb (Schnupperrunde) zur olympischen Disziplin geworden, während andere weniger erfolgreich waren. Segelfliegen, Australian Football, Kaatsen oder Ballonfahren sucht man heute in der Liste der olympischen Bewerbe ebenso vergeblich wie Eisstockschießen oder Bowling, obwohl all diese Leibesübungen einst hoffnungsvolle olympische Demonstrationssportarten waren. Warum aber ausgerechnet Pétanque, die in französischen Städten und Dörfern allgegenwärtige Variante der Boule-Spiele noch nie olympisch war, obwohl die Seine-Metropole in der Vergangenheit schon zweimal die Sommerspiele austragen durfte, wissen vermutlich nur die Verantwortlichen beim IOC.
Diese haben nämlich eine 2018 gestartete Initiative von Claude Raluy, Leiter des Internationalen Ausbildungszentrums für Boulesport, zur Aufnahme von Pétanque in das offizielle olympische Programm von Paris 2024 mehr oder weniger ignoriert, obwohl es bereits seit 1959 Weltmeisterschaften gibt, bei denen mitnichten immer nur Französinnen oder Franzosen gewinnen und obwohl das präzise Spiel mit den Metallkugeln ähnlich fernsehtauglich sein dürfte wie Curling, was man vom Kleinkaliberschießen auf 10 Meter nicht ohne weiteres behaupten kann. Ob das an einem bis heute nachwirkenden Verbot aus dem Jahr 1629 liegt, in dem es heißt, Boule verführe zu „lasterhaften Ausschweifungen“ oder aber an massiven Sicherheitsbedenken, weil 2016 im niederrheinischen Nettetal eine minderwertige Kugel explodiert ist, woraufhin Spezialkräfte die übrigen Spielgeräte kontrolliert sprengten, ist unklar. C’est dommage, denn es hätte die Spiele von Paris sicher bereichert.
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