Viel Applaus, aber kein Überschwang: Die junge Regisseurin Anna Stiepani wagte sich an eine Neuinszenierung von Arthur Schnitzlers „Liebelei“. Die Premiere fand im Stadttheater Gmunden im Rahmen der Salzkammergut Festwochen statt. Solide stellt sie die Tragödie auf zeitlosere Beine, verliert dabei aber an psychologischer Tiefe.
„Ich hab‘ deine Liebestragödien satt. Du langweilst mich damit“, sagt Theodor zu Fritz, der eine Affäre mit einer verheirateten Frau neben seiner Liebschaft hat. Das ist das Zentrum von Schnitzlers „Liebelei“, von dem aus sich ein Beziehungskarussell entwickeln ließe, das jeden Beteiligten als Täter und Spielball eines anderen zeigen könnte.
Doch das bleibt aus. Wie Stiepani im „Krone“-Talk sagte, will sie dem weiblichen Blick den Vorrang geben. Herausgekommen ist allerdings eine Tragödie ohne scharfe Kanten.
Nur zarte Spitzen an Gefühlen
Alexander Julian Meile, der einen fast melancholischen Fritz gibt, bleibt gelassen, als er zum Duell aufgefordert wird. Insgesamt wirkt er zwar geheimnisvoll, aber zugleich gelangweilt und angewidert vom Leben an sich. Ja, das kann genügen. Aber es ist eben dann auch mal fürs Publikum langweilig. Sein Kumpan Theodor, der Spiegelfunktionen übernehmen könnte, wird von Jakob Kajetan Hofbauer gespielt, der zu sehr am Text hängt.
Bei Markus Ransmayr als gehörnter Ehemann tun sich sofort Abgründe auf, man erahnt Wut, Sadismus – spannend, aber leider ein Minimalauftritt.
Frauen können auch anders
Lorena Emmi Mayer überzeugt als gutgläubige Christine, hat aber kaum die Möglichkeit, das facettenreicher auszuspielen. Sie will der Figur ja Schatten geben, denn: wenn sich jemand ewige Liebe von einem Menschen erhofft, was ist das für ein gewaltiger Machtanspruch? Doch die Regie steigt darauf nicht ein. Cecilia Pérez erreicht gute Konturen, aber auch sie könnte als ulkige, beste Freundin mehr Gesichter gebrauchen.
Ein prominenter Gast auf der Bühne
Samuel Finzi ist der prominente Gast im Schauspiel, das ab Herbst auch am Linzer Landestheater zu sehen sein wird. Er gönnt als Weiring seiner Tochter die Liebe, unklar ist aber, will er sie retten oder ins Verderben schicken? Zumindest interpretiert er am Klavier Elfriede Jelineks „Der Kuss“. Weiters gut präsent auf der Bühne ist Gunda Schanderer als neugierige Strumpfwirker-Frau.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Akt hat Stiepani auch noch den Song „Victim of Love“ als modernes Element platziert.
Das Bild und die Kostüme (Thurid Peine) bringen die Sommerfrische dazu, ein transparenter Bühnenstore zitiert Klimts Attersee-Impressionen, darüber glänzt ein goldener Spiegel – wie eine Sonne.
Solide, aber tiefere Facetten hätten auch nicht geschadet. Ab 25. Oktober steht die „Liebelei“ dann im Landestheater Linz am Spielplan.
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