Von Sarajewo über Graz in die USA ans berühmte MIT – Massachusetts Institute of Technologie führte der Weg von Azra Akšamija. Jetzt zeigt die Künstlerin, Professorin und Direktorin des dortigen Art, Culture and Technology Programms mit „Sanctuary“ im Kunsthaus ihre erste große Einzelausstellung in Österreich.
Eine Welt aus bunten Farben empfängt die Besucher im Space01 des Grazer Kunsthauses. Taucht man in sie ein, so gerät man aber schnell in jene Tiefen, in denen die Probleme, Ungerechtigkeiten und Krisen unserer Tage zu finden sind. Mit ihnen setzt sich Azra Akšamija in „Sanctuary“ (Schutzraum, Heiligtum) auf eine Weise auseinander, die nichts verschweigt und dennoch höchst einladend ist.
Die Schutzräume, die hier zu finden sind, stehen für Verständigung und Zusammenhalt in einer Welt, die von Migration und Ungleichheit geprägt ist. Als Material dienen dafür Textilien, die nicht nur für die durch die sogenannte Fast Fashion verursachten Probleme stehen, sondern auch in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext zu lesen sind.
Akšamija weist aber nicht nur auf Probleme hin, sie zeigt auch Lösungsansätze. Etwa einen großen Tisch, an dem die Besucher beim Erschaffen neuer textiler Muster und Modelle aus recycelten Kleidungsstücken nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen können. Das Nachdenken fördern auch die aus zerschnittenen, weggeworfenen T-Shirts bestehenden Verspannungen, die sich durch den ganzen Raum ziehen.
Ein farbenprächtiger Turm aus entsorgter Kleidung macht ebenfalls auf all das aufmerksam, was in der internationalen Modeindustrie falsch läuft. Auch hier gibt es Gegenmodelle, die nicht nur die eigene Fantasie anregen, sondern Mut zum Ausbrechen aus diesen Kreisläufen machen.
Nicht nur bunt, auch technisch spannend
Beeindruckend sind die mit digitalen KI-Tools geschaffenen, sich ständig ändernden Bilder, die mit Mode ebenso spielen wie mit kulturellen Identitäten. Und berührend ist das individualisierte UNHCR-Schutzzelt, in das man sich zurückziehen kann.
Azra Akšamija gelingt hier der Spagat von ästhetischem Genuss zu moralischem Anspruch. Denn trotz der Schwere der Themen kommt diese Ausstellung leicht daher und spricht die Sinne der Besucher an.
Ein reiches Rahmenprogramm ergänzt die Präsentation: Ab 10. Juli (14.30 Uhr) gibt es immer wieder ein Pop-up-Chai Frauencafé der Künstlerin Maryam Mohammadi, im September wartet ein Poetry-Slam zu Mode und Zugehörigkeit, dazu gibt es noch eine Kooperation mit dem Verein Malala und vieles mehr. Infos dazu findet man hier.
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