Vier Banker verurteilt

Prozess um „Putins Brieftasche“ in der Schweiz

Ausland
25.06.2024 13:47

Vier Banker sind von einem Schweizer Berufungsgericht in Zusammenhang mit der Verwaltung von Geldern aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin schuldig gesprochen worden. Die Mitarbeiter einer Gazprom-Bank-Tochter in Zürich hatten es verabsäumt, den wahren Kontoinhaber zu ermitteln.

Als wirtschaftlich Berechtigter des Kontos, das 2014 eröffnet worden war, wurde der russische Musiker Sergej Roldugin angegeben. Medienberichten zufolge ist der Cellist und Dirigent auch Patenonkel einer der Töchter Putins. Kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde er auf die Sanktionsliste der Schweiz gesetzt. Laut der Liste ist Roldugin in Moskau als „Putins Brieftasche“ bekannt.

Woher hatte unbekannter Sänger so viel Geld?
Zwei der drei Richter sprachen sich für einen Schuldspruch aus. Sie kamen zum Schluss, dass es die Angeklagten vorsätzlich unterlassen hätten, zu prüfen, wer der wirtschaftlich Berechtigte an den Konten sei, die aus Dividenden eines russischen Medienunternehmens gefüllt worden waren. Ausgehend von den Dividendenzahlungen müsse die Beteiligung Roldugins an dem Medienunternehmen über 100 Millionen Franken (rund 104 Mio. Euro) wert gewesen sein, so der vorsitzende Richter. 

Eine Filiale der Gazprom-Bank in Moskau (Bild: APA/AFP/Natalia KOLESNIKOVA)
Eine Filiale der Gazprom-Bank in Moskau

Bis 2016 sei Roldugin weitgehend unbekannt gewesen. „Auch in St. Petersburg kann man nicht auf die Schnelle so viel Geld verdienen. Abklärungen wären da geboten gewesen.“ Die Behauptung, dass die Beteiligung an der Medienfirma durch Löhne und Kredite finanziert worden sei, erachtete der Richter nicht als plausible Erklärung. „Das könnte auf eine Strohmann-Finanzierung hindeuten“ hieß es in der Urteilsbegründung.

Bedingte Geldstrafen verhängt
Bei dem Prozess ging es allerdings nicht um die Frage, ob die Gelder aus illegalen Quellen stammten bzw. wem sie gehörten, sondern einzig und allein um die Tatsache, dass die Bankangestellten ihre Prüfpflichten verletzt hatten. Gegen die Angeklagten wurden bedingte Geldstrafen von bis zu 330.000 Franken (rund 344.000 Euro) verhängt. Eine Berufung vor dem Bundesgericht, dem höchsten Schweizer Gericht, ist noch möglich.

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