Auch in anderen Landeshauptstädten gab es bereits ähnliche Überlegungen. Doch Linz ist nun Vorreiter, eröffnet am 16. September das erste LGBTIQA+-Kompetenzzentrum in Österreich. Das Projekt soll niederschwellige, situationsadäquate Unterstützung in Form von Erstberatungen und Informationen bieten.
LGBTIQA+ ist nicht nur die Linzpride und das Feiern von Diversität, sondern leider nach wie vor oftmals ein gesellschaftliches Reizthema, das für Betroffene häufig zu Ausgrenzung und Unterdrückung führt“, weiß SP-Stadtvize Tina Blöchl. Umso wichtiger sei es, das Thema in Linz noch viel sichtbarer zu machen.
Kooperative Anlaufstelle
Und was wäre da eindringlicher, als das erste Kompetenzzentrum Österreichs. Eine kooperative Anlaufstelle, an die sich Menschen jeden Alters mit ihrem Anliegen zu Themen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität künftig hinwenden können. Gestern war Baustart im Gebäude in der Weissenwolffstraße 17, dort wo bereits der Verein für Jugend-, Familien- und Sexualberatung Bily sowie die Partner-, Familien- & Sexualberatungsstelle Courage beheimatet sind. Zwei Mitarbeiter werden ab Mitte September ihre Arbeit im Kompetenzzentrum aufnehmen, an vier Tagen die Woche jeweils zwei Stunden für Beratung und Information vor Ort zur Verfügung stehen.
LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Mittlerweile hat sich LGBT als Kurzform für alle Geschlechter, Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen durchgesetzt, die von zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Normen abweichen.
„Beherztes Engagement für offene Gesellschaft“
„Durch die Schaffung eines LGBTIQA+ Kompetenzzentrums zeigt die Stadt Linz ihr beherztes Engagement für eine offene Gesellschaft, in der gleich- und gegengeschlechtliche Lebensweisen sowie eine geschlechtliche Vielfalt einander ergänzen und bereichern. Ziel des LGBTIQA+ Kompetenzzentrums ist die gesundheitliche Versorgung und Chancengleichheit von queeren Menschen, ihren Familien und Angehörigen sowie ihren relevanten Umfeldern durch professionelle psychosoziale Erstberatungen, Kriseninterventionen und gezielten Informationen“, betont Johannes Wahala, Psycho- und Sexualtherapeut, sowie Leiter der Beratungsstellen Courage.
Anliegen voranbringen
„Das LGBTIQA+ Kompetenzzentrum ist ein wichtiges Zeichen der Stadt für die Sichtbarkeit und Repräsentation der Community. Das kooperative Projekt ermöglicht ein intensives Networking und erweitert das Unterstützungsangebot für queere Menschen in Linz. Beides ist wichtig, um weitere Anliegen der LGBTIQA+ Community voranzubringen“, sagt Paulina Wessela, Vorsitzende des Vereins Bily.
„Jede Verhältnismäßigkeit verloren gegangen“
Einer hadert mit der Geschichte – allerdings weniger mit dem neuen Zentrum als mit der regen LGBTIQA+-Förderbereitschaft: FP-Gesundheitsstadtrat Michael Raml. Im letzten Stadtsenat waren 100.000 Euro für die LGBTIQA+-Community (Courage: 16.000 €, Linzpride: 20.000 €, Kompetenzzentrum für 2024/25: 64.000 €) beschlossen worden. Raml: „Für Gesundheitsförderungen an Vereine, die ihr Angebot allen Linzern zur Verfügung stellen, stehen hingegen für das ganze Jahr nur 170.000 € im Budget. Da ist für mich jede Verhältnismäßigkeit verloren gegangen.“ 2023 blieben etwa für die Krebshilfe 10.000 Euro oder für die Clini Clowns nur 1000 Euro.
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