Hoch unterschätzt und zutiefst genial: Das ist die Ausdruckskraft von Konrad Koller, dem großen „alten Wilden“.
Er war praktischer Arzt, beharrlicher Künstler und verkannter Literat. Doch vor allem war Konrad Koller (1916 – 2011) ein begnadeter Seiltänzer zwischen den Grenzen des Realen. Noch vor der Ausstellungseröffnung am kommenden Dienstag im Living Studio der Klagenfurter Stadtgalerie, werfen wir einen Blick auf das wuchtige Œuvre des Villachers.
Herausbilden wird es sich aus traditionalistischen Anfängen im Stil des Vaters Ewald, ebenfalls Arzt und Maler, um befeuert von verehrten Ermutigern wie Herbert Boeckl oder Anton Kolig, zu fantastischer Eigenständigkeit zu wachsen, die Verborgenes besingt und Offensichtliches verrätselt.
Ewig lockt Koller das Weib. Doch abseits praller, draller Fleischeslust und spitzfedriger Gesellschaftskritik leuchtet seinem Menschenbild ein so offensichtliches Memento mori aus Augenhöhlen und (Toten)Köpfen, dass der Körper zunehmend Gefäß zu werden scheint für die surrealistisch behafteten Versatzstücke des Lebens.
Im Grenzbereich des Seelischen
Auch die grafische Bildsprache, die er am Beginn den Texten als Illustrator eigener Geschichten an die Seite stellt, lebt von jenen ausufernden, verworrenen, seismografischen Weltausdenkungs- und Traum-Fragmenten, die bei Koller so oft in Grenzbereichen des Seelischen siedeln und ins Inhaltliche greifen. Ironisch unterfüttert, nachdenklich-feinnervig und skurril-abgründig sind (fast) alle Inhaltsträger bis zum Schlaganfall 1992, den er mit luftigen Aquarellen und religiöser Motivik befriedet.
Geboren 1916 in Villach, studiert Konrad Koller Medizin und ist zeitlebens als praktischer Arzt in der Draustadt tätig. Doch seit Kindertagen malt und zeichnet er.
Ermutigt durch Herbert Boeckl und Anton Kolig, entwickelt der Autodidakt ein fantastisches Œuvre mit hohem Alleinstellungsmerkmal zwischen den Themen seines Lebens: Kunst und Beruf – Familie und Freiheit – Sexualität, Religion, Tod.
Kollers Werke finden sich in namhaften Museen, zahlreiche Würdigungen und Preise zu Lebzeiten.
Ein Spiegel der Selbstreflexion
So befeuern Kollers Wünsche, Ängste, Träume, Obsessionen und Stimmungslagen ein in vielerlei Hinsicht fantastisches Werk, das von der mächtigen Triebfeder Sexualität ebenso erzählt wie von Leerlaufmechanismen und Höhenflügen menschlichen Seins. Und immer ist es der Künstler selbst, der Erlebtes, Erfahrenes, Erfühltes, Beobachtetes, Begehrtes und Gefürchtetes im Spiegel der Selbstreflexion betrachtet und als vielschichtiges Protokoll eines Mannes zwischen Kunst, Beruf, Familie, Pflicht und Vergnügen einbettet.
Expressive Malwucht
Das Ergebnis ist ein Zerrbild, das in fahrig-verkritzelten, wild wuchernden Tusche- und Bleistiftzeichnungen bis hin zur expressiven Malwucht alles widerspiegelt, was des Menschen Existenz ausmacht. Denn wie hat Konrad Koller, der „alte Wilde“, einst so bezeichnend für sein Schaffen gesagt: „Nichts ist großartiger als das Leben selbst. Und immer versucht man es zu fassen. Die einen mit Worten, andere vielleicht mit der Kamera. Ich habe den Pinsel gewählt, um diesen Genuss möglichst lange auszukosten.“
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