Mit Stoßwellentherapie

Innsbrucker Forscher erneuerten Herzmuskelzellen

Tirol
20.06.2024 12:00

Einen medizinischen Durchbruch gelang Forschern an der Univ.-Klinik für Herzchirurgie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Mit einer Stoßwellentherapie bei gleichzeitiger Bypass-Operation belebte man inaktive Herzmuskelzellen wieder. Anfang 2025 soll ein neues Gerät auf den Markt kommen.

Das Leben von Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche könnte sich künftig schlagartig verbessern. Eine neue Bypass-Operation samt Stoßwellentherapie am offenen Herzen belebt inaktive Herzmuskelzellen wieder und lässt neue Blutgefäße entstehen.

Eine medizinische Neuerung, wie Michael Grimm, Direktor der Univ.-Klinik für Herzchirurgie in Innsbruck erklärt: „Erstmals ist es damit möglich, den Herzmuskel substantiell und anhaltend zu verbessern“. Sein Team unter der Leitung von Johannes Holfeld konnte dies nun in einer klinischen Studie nachweisen. Am Donnerstag veröffentlichte das European Heart Journal die Forschungsarbeit über die bahnbrechende Behandlung, die von der Laborforschung bis zum marktreifen Medizinprodukt in Innsbruck entwickelt wurde.

Johannes Holfeld (r) führt bei einer Bypass-OP die Stoßwellentherapie am Herzmuskel durch (Bild: Univ.-Klinik f. Herzchirurgie/MUI)
Johannes Holfeld (r) führt bei einer Bypass-OP die Stoßwellentherapie am Herzmuskel durch

Deutliche Steigerung der Lebensqualität
Über viele Jahre hat ein großes Team an der Medizinischen Universität Innsbruck an der Methode zur Behandlung von ischämischer Kardiomyopathie (Herzmuskelschwäche) geforscht und langen Atem bewiesen. Die Betroffenen – etwa 1,4 Millionen Menschen weltweit, im Durchschnitt 68 Jahre alt – leiden unter Kurzatmigkeit und einer insgesamt eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit, die zu einer verminderten Lebensqualität führt.

Zitat Icon

Wir wissen, dass alle fünf Prozentpunkte Verbesserung der Pumpleistung eine signifikante Reduktion der Spitalswiederaufnahmen und eine Verlängerung der Lebenserwartung bringt. Unsere Methode hat im Schnitt eine Verbesserung von fast zwölf Prozentpunkten gezeigt. Das ist spektakulär.

Projektleiter Johannes Holfeld

Infolge eines oder mehrerer Herzinfarkte gingen Herzmuskelzellen zugrunde und ließen Narben zurück. Zellen im Randbereich des geschädigten Gewebes fallen bei einem Herzinfarkt allerdings in eine Art Winterschlaf und stellen ihre Aktivität ruhend, wodurch ein Teil des Herzmuskels chronisch mit Blut unterversorgt ist. Mit der Bypass-Operation, dem häufigsten großen chirurgischen Eingriff in der westlichen Welt, kann lediglich die verbliebene Pumpleistung erhalten, aber nicht wieder verbessert werden.

Dem Team aus Innsbruck ist es nun gelungen, diese Zellen mit Stoßwellentherapie als Ergänzung zur Bypass-Operation wieder aufzuwecken und damit die Pumpleistung des Herzens nachhaltig zu verbessern. „Wir wissen, dass alle fünf Prozentpunkte Verbesserung der Pumpleistung eine signifikante Reduktion der Spitalswiederaufnahmen und eine Verlängerung der Lebenserwartung bringt. Unsere Methode hat im Schnitt eine Verbesserung von fast zwölf Prozentpunkten gezeigt. Das ist spektakulär“, schildert Projektleiter Holfeld.

Zitat Icon

Wir sehen, dass der Effekt stabil bleibt. Das Herz erholt sich und bleibt dann fit.

Michael Grimm, Direktor der Univ.-Klinik für Herzchirurgie in Innsbruck

Auswirkungen deutlich besser als erhofft
Die Effekte seien noch deutlicher gewesen, als man erwartet hatte. Signifikante Verbesserungen des Herzmuskels konnten so nachgewiesen werden. Inzwischen liegen bereits Langzeitergebnisse der ersten, vor vier Jahren im Rahmen der Studie mit der Kombination Bypass und Stoßwellen behandelten PatientInnen vor. „Wir sehen, dass der Effekt stabil bleibt. Das Herz erholt sich und bleibt dann fit“, sagt Klinikdirektor Grimm.

Gerät soll 2025 startklar sein
Zur Entwicklung und Produktion des Geräts, ein Medizinprodukt der höchsten Sicherheitsklasse, wurde zudem das Spin-off Unternehmen Heart Regeneration Technologies GmbH gegründet, das ebenfalls in Innsbruck angesiedelt ist. Holfeld erwartet, dass das Stoßwellengerät für die direkte Anwendung am Herzen Anfang 2025 auf den Markt kommen wird. Die ExpertInnen gehen davon aus, dass mehr als ein Drittel aller Herzschwäche-PatientInnen von der Behandlung profitieren, nämlich jene, die unter einer stark eingeschränkten Pumpleistung leiden.

 Tiroler Krone
Tiroler Krone
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol



Kostenlose Spiele